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Winnenden-Prozess:Die Suche nach dem Motiv

Im Prozess gegen den Vater von Amokläufer Tim K. zeigt die Polizei Rekonstruktionen des Tatorts. Das Gericht sammelt akribisch jedes Detail der Bluttat von Winnenden und hofft so, den Hintergründen näher zu kommen.

Im Prozess gegen den Vater des Winnender Amokläufers Tim K. hat die Polizei Bilder von 3-D-Rekonstruktionen der Tat vorgestellt. In Anwesenheit von Angehörigen der Opfer zeigten die Ermittler vor dem Stuttgarter Landgericht erstmals die Bilder aus den Klassenzimmern und vom anderen Tatort, einem Autohaus.

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Trauernde Schüler und Bürger des Ortes Winnenden stehen nahe der Albertville-Realschule vor zahllosen Blumen und Grablichtern. Der Vater des Amokläufers Tim K. steht nun vor Gericht.

(Foto: dpa)

Der Vater muss sich vor Gericht verantworten, weil er die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt und laut Staatsanwaltschaft damit den Amoklauf erst möglich gemacht hat. Beim Amoklauf in Winnenden und Wendlingen erschoss sein 17-jähriger Sohn 15 Menschen und verletzte weitere 13. Danach tötete er sich selbst.

Mit Rücksicht auf die Hinterbliebenen wurden Schüler und Lehrer als Dummys dargestellt: Rot markiert die Toten, gelb die Verletzten, grau die Überlebenden. Auch die Schussbahnen konnte man auf den Bildern sehen. Das Gericht erhofft sich davon, nach Aussage des Vorsitzenden Richters, Erkenntnisse darüber, ob Tim K. gezielt mordete oder seine Opfer zufällig auswählte.

Aus Sicht der ermittelnden Beamten kannte der Amokläufer von Winnenden den Code zum Waffenschrank seines Vaters nicht. "Wir gehen eher davon aus, dass er sich die Tat-Munition zusammengesammelt hat", sagte der ermittelnde Beamte der Polizeidirektion Waiblingen, Thomas Neumann, am Donnerstag vor dem Landgericht Stuttgart

An Tatwaffe und Munition des Amokläufers hat die Polizei nur DNA-Spuren von Tim K. gefunden. Spuren des Vaters waren nur an den Patronenständern, in denen die Munition aufbewahrt wurde, wie der zuständige Beamte der Polizeidirektion Waiblingen vor dem Gericht sagte. Die Spuren des Vaters seien durch das Einfüllen der Patronen in den Ständer zu erklären.

Im Prozess wurde zudem ein früheres Verhör des Vaters verlesen. Darin berichtete er, dass Tim sich mit seiner Schwester gut verstanden habe. Er habe auch Freunde gehabt, jedoch keine besonders engen. In seiner Freizeit habe Tim viel Tischtennis, Poker und am Computer gespielt, erzählte der Vater dem Verhörprotokoll zufolge. Er habe Tim für sportliche Erfolge Geld gegeben, seine Schwester habe Geld für gute Noten bekommen.

Woher sein Sohn Egoshooter-Spiele gehabt habe, wisse er nicht. Er habe sie ihm nicht gekauft.