"Da will man nur mal in Ruhe auf die Toilette gehen - und dann DAS!", schrieb vor wenigen Tagen die Bild-Zeitung in gewohnt sachlichem Analyse-Ton. Eine weiße Netzpython war im österreichischen Graz ihrem Besitzer entwischt und bei ihrer Flucht durch das Abflussrohr bis in die Kloschüssel des Nachbarn vorgedrungen, der blöderweise gerade den Ausgang blockierte. Der Fortgang sei hier der eigenen Fantasie überlassen.
Auch die Wiener Polizei hat am Mittwoch eine ungewöhnliche Bekanntschaft gemacht. Zwei Polizisten auf Streife war in der Fußgängerzone der Innenstadt ein Mann aufgefallen, der von einem Nandu begleitet wurde. Der südamerikanische Laufvogel ähnelt einem Strauß oder Emu und ist knapp eineinhalb Meter groß. Da will man nur mal spazieren gehen, und dann das? Die Beamten jedenfalls haben Nandu und Herrchen erst mal mit auf die Wache genommen.
Dort sei das Tier handzahm und zugänglich gewesen, sagt Polizei-Pressesprecher Christopher Verhnjak. "Er war ganz entspannt und hat sich streicheln lassen." Die Kollegen, so stand es dann sicher auch im Polizeibericht, hätten das Tier mit Wasser und Früchten aus dem Wachzimmer versorgt. "Damit es was zu knabbern hat."
Sofort untersuchte auch ein Amtstierarzt den Nandu und entlastete den Besitzer: Das Tier sei artgerecht gehalten worden. Die Vogelart ist nämlich besonders streng geschützt. "Er hatte alle Dokumente, die nötig waren", versichert eine Mitarbeiterin des Veterinäramtes. Und der Stadtspaziergang? "Nandus brauchen viel Auslauf. Deshalb geht er mit dem Tier spazieren", sagt sie. Der Vogel scheine die vielen Menschen gewohnt zu sein. Ein richtiger Stadt-Nandu also. Das einzige Problem: Der Besitzer hatte zwar Leine und Brustgeschirr für sein Tier dabei, das aber nicht angelegt.
Beim Halter handelt es sich um einen Mann aus Slowenien, der eigentlich nur auf Durchreise in Österreichs Hauptstadt war. Angeblich habe er behauptet, mit seinem Haustier auf Weltreise zu sein. Nanu, mit Nandu? Verhnjak nimmt's stoisch. Wie andere ihren Hund mit dabei haben, sagt er, nehme der "eben seinen Strauß mit". Weitere investigative Recherchen österreichischer Zeitungen ergaben, dass der Nandu bei der Weltreise die Destinationen aussuchen dürfe, indem er mit seinem Schnabel auf eine Landkarte am Handy tippe.
Tatsächlich hatte der Mann mit seinem Vogel bereits vor zwei Wochen in Klagenfurt für Aufsehen gesorgt. Doch die gemeinsame Weltreise muss wohl erst einmal warten: Da der Nandu-Halter kein offizielles Dokument vorweisen konnte, das ihn zur Haltung des Vogels in Österreich berechtigt hätte, legten die Beamten ihm nahe, das Tier aus dem Bundesgebiet zu bringen. Er soll den Polizisten versichert haben, sich mit dem Tier sofort wieder auf die Heimreise nach Slowenien zu begeben.
Da will man nur mal verreisen, und dann das!


