SZ-Serie "Bester Dinge":Auf zum Narrenturm!

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(Foto: Roland Schlager)

Endlich hat die anatomisch-pathologische Sammlung in der ehemaligen "Irrenanstalt zu Wien" wieder geöffnet - aber hätte man das Museum nicht auch mal umbenennen können?

Von Martin Zips

Es gibt erstaunliche Neuigkeiten in der woken, politisch-korrekten Welt: Der Wiener Narrenturm heißt immer noch Narrenturm! Im Jahr 1784 als weltweit erste Einrichtung zur Behandlung psychisch kranker Menschen eröffnet, beherbergt das nun frisch sanierte Rundgebäude heute die anatomisch-pathologische Sammlung des Naturhistorischen Museums; 14 000 Objekte, meist abgeschnitten, ausgekocht oder eingelegt, die nichts für schwache Nerven sind. Von einem Besuch mit kleinen Kindern wird ausdrücklich abgeraten. Das war früher, als das Ding noch "k. k. Irrenanstalt zu Wien" hieß, ganz anders. Da pilgerten die Wiener Familien am Wochenende gleich scharenweise zum "Narrenthurm", in der Hoffnung, dort etwas Absonderliches zu sehen. Sogar an den Außenwänden sollen die Schaulustigen hochgeklettert sein, um den Patienten durch die Fenster entgegenzublicken.

Nun sagen manche: Die Generalsanierung hätte man natürlich auch nutzen können, um den Narrenturm politisch korrekt umzubenennen. In "Turm des Leidens" zum Beispiel oder "Alsergrunder Rotunde". Aber nein, offiziell heißt es weiterhin "Pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm", auch wenn die zuständige Generaldirektorin einräumt, dass man über die Bezeichnung durchaus "stolpern" könne. Aber klar, im Museum geht's natürlich weder um Voyeurismus noch um Leichenschau. Es geht um wissenschaftliche Reflexion und ethische Bewertung, wie der Kurator der Sammlung jetzt betonte. "Narrenturm am Puls der Zeit", titelte die Wiener Zeitung dazu sehr hübsch.

Na dann: Auf zum Narrenturm! Im Museumsshop soll es sogar das Coronavirus als irres Stofftier geben. Damit man auch noch daheim auf dem Sofa ein bisschen wissenschaftlich reflektieren kann.

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