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Wien:Mahlzeit!

Von September an darf in Wiener U-Bahnen nichts mehr gegessen werden. Aber klappt das, ohne Strafen zu verhängen?

Von Peter Münch, Wien

Die Verbotsschilder sind schon aufgeklebt auf manchen U-Bahn-Türen: Durchgestrichen im roten Kreis sieht man einen Hamburger, eine Pizzascheibe und eine Nudelbox. Vom 1. September an darf all das und noch viel mehr in der Wiener U-Bahn-Linie 6 nicht mehr verspeist werden. Von 15. Januar an gilt der Bann für alles Essbare dann auch auf allen anderen U-Bahn-Linien der österreichischen Hauptstadt - aus Rücksicht auf Mitreisende, die meist weniger vom Futterneid als vom Geruch geplagt werden. Ordnung muss sein, wer Hunger hat, muss warten.

Das nun verkündete generelle Speiseverbot auf Schienen geht weit über das hinaus, was ursprünglich geplant war. Zunächst sollte nämlich nur in der U 6, der ein gewisses Schmuddelimage anhaftet, der Verzehr besonders geruchsintensiver Mahlzeiten untersagt werden. Die Wiener Linien, der Verkehrsbetrieb der Stadt, startete dazu eine Online-Umfrage, um herauszufinden, welche Speisen den Fahrgästen besonders stinken. Das nun vorgelegte Ergebnis zeigt jedoch keine Negativ-Hitliste vom Döner bis zum Leberkäs, sondern das eindeutige Verlangen nach einem generellen Verbot. Dafür sprachen sich 37 453 der 51 216 Teilnehmer aus.

Die Wiener Linien können nun also argumentieren, dass sie mit dem neuen Verbot dem Wunsch ihrer Kunden nachkommen. Auf Strafen soll allerdings erst einmal verzichtet werden. Zunächst wird aufgeklärt. Man werde auch "kleinen Kindern nicht das Keksi aus der Hand reißen", verspricht die für den Öffentlichen Nahverkehr zuständige Stadträtin.

Befragte Psychologen ordnen die Maßnahme dem Zeitgeist zu, der mehr nach Sicherheit als nach Freiheit verlange. Politologen sehen darin den Versuch der regierenden Sozialdemokraten, sich als Law-and-Order-Kraft zu präsentieren. Ein paar andere allerdings fragen auch, wohin der Drang zum Verbot noch führen soll. Neben dem Speisebann kleben in den U-Bahnen schließlich schon Schilder, die den Alkoholkonsum, das Rauchen und Hunde ohne Maulkorb verbieten. Überdies beklagen manche, dass es auch ohne Essen zu unangenehmen Ausdünstungen in der U-Bahn kommen kann. Doch auch darum haben sich die Wiener Linien und die Verkehrsstadträtin schon gekümmert: Neulich haben sie 14 000 Deodorants in der U 6 verteilt.

© SZ vom 18.08.2018

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