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Lebensmittelskandal in Wien:"Furchtbar grauslich und verdreckt"

Einsatz der Finanzpolizei Österreich in illegaler chin. Küche.

Solche Zustände fand die Finanzpolizei Österreich bereits 2019 bei einer Kontrolle in einer Wohnung vor, in der Lebensmittel zum Weiterverkauf verarbeitet wurden.

(Foto: BMF/Trittner)

Die Wiener Polizei hat erneut eine sogenannte "Teigtascherlfabrik" ausgehoben. In einer Wohnung sollen unter üblen hygienischen Bedingungen illegal Lebensmittel hergestellt worden sein - für Asia-Restaurants.

Von Marija Barišić

Der Anblick dürfte die Lust auf gefüllte Teigtaschen dämpfen: "Furchtbar grauslich und verdreckt" sei die Wohnung gewesen, sagt Alexander Hengl vom Marktamt Wien. Dort haben Polizisten am vergangenen Montag eine illegale Produktionsstätte für Lebensmittel entdeckt. Bei der Kontrolle, die gemeinsam von Polizei, Finanzpolizei und dem Marktamt (MA59) veranlasst worden war, trafen die Beamten auch zwei Bewohner an. Ihnen wird vorgeworfen, illegal Teigtaschen produziert zu haben, um diese an Restaurants und China-Nudel-Imbisse in Wien weiterzuverkaufen.

Hinweise darauf lieferten vor allem die 120 Kilogramm Lebensmittel, welche laut Hengl in der Wohnung der zwei Bewohner vorgefunden und beschlagnahmt worden seien. Darunter waren zahlreiche fertige Teigtaschen, aber auch Zutaten wie Mehl, Eier oder Hackfleisch, "das bei Raumtemperatur nirgends was verloren hat und schon gar nicht, wenn es für die weitere Verarbeitung von Teigtaschen eingesetzt wird." Darüber hinaus seien laut Wiener Finanzpolizei Aufkleber für Verpackungen gefunden worden, was auf eine gewerbliche Tätigkeit hinweise.

Wer die beiden Bewohner sind und ob es weitere Verdächtigte gibt, die hinter der illegalen Teigtascherl-Produktion stehen könnten, ist laut Marktamt-Sprecher Hengl noch nicht bekannt. Klar sei jedenfalls, dass die Wohnung nicht nur Produktionsstätte, sondern auch Hauptwohnsitz der beiden Personen sei. Sie wurden nun wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht und die Gewerbeordnung angezeigt.

1,5 Tonnen illegale Teigtaschen in einer Wohnung

Der Skandal um illegale Teigtascherl-Produktionen in Wien ist nicht neu. Laut österreichischer Nachrichtenseite wien.orf.at sei die Finanzpolizei im vergangenen Jahr auf insgesamt elf illegale Produktions- und zwei Vertriebsstätten gestoßen. Allein in einer Wohnung im Bezirk Margareten sollen 1,5 Tonnen illegale Teigtaschen in sieben Tiefkühltruhen entdeckt worden sein. Auch der aktuelle Fund in der Wiener Wohnung hatte sich laut Hengl aus den 2019 losgetretenen Ermittlungen ergeben.

Grundsätzlich ist die Produktion von Teigtaschen oder anderen Lebensmitteln für den privaten Verzehr erlaubt. "Illegal wird sie dann, wenn die Personen ohne Gewerbeberechtigung, aber mit Gewinnabsicht, auf eigene Rechnung und in regelmäßigen Abständen produzieren", sagt Hengl. Dabei kontrolliert das Marktamt in Wien nicht nur verdächtigte Anbieter, sondern auch deren Kunden. So sei man seit Beginn der Ermittlungen in den Lagerräumen von zehn bis 15 Restaurants auf eben jene Teigtaschen gestoßen, die man zuvor auch in den illegalen Produktionsstätten vorgefunden hatte. Die Verwaltungsstrafe dafür habe die Restaurants mehrere tausend Euro gekostet.

Gerichtsverfahren gegen die Restaurants wurden laut Hengl keine eingeleitet, "das passiert nur dann, wenn die Ware gesundheitsschädlich ist, was bei den Teigtaschen bisher nicht der Fall war." Trotzdem seien die hygienischen Bedingungen, unter denen die Teigtaschen hergestellt werden, meist "sehr bedenklich". Warum Restaurants und Imbiss-Buden sich trotzdem immer wieder auf die zwielichtigen, illegalen Geschäfte einlassen? "Weil's billiger ist, als sie selbst zu produzieren", so Hengl.

© SZ/mba/vs
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