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Wien:Acht Mal schuldig

Die Urteile gegen Iraker, die eine Deutsche in Wien vergewaltigt haben sollen, sind gefallen. Sie fielen eindeutig aus.

Von Cathrin Kahlweit, Wien

Acht Schuldsprüche, insgesamt 90 Jahre Haft: Das Urteil gegen neun Iraker, die in der Silvesternacht 2015/2016 in Wien eine deutsche Lehrerin über Stunden in einer Wohnung vergewaltigt hatten, lässt keinen Zweifel. Auch wenn die Verurteilten umgehend ankündigten, Berufung einzulegen: Das Gericht befand sie der Gruppenvergewaltigung für schuldig.

Zwei Wochen lang hatte das Straflandesgericht in Wien gegen die neun Männer verhandelt, die mit einer Ausnahme mit einander verwandt und verschwägert sind. Es waren peinvolle Vernehmungen gewesen, voller Tränen und Gebete und Unschuldsbekundungen. Mit einem überforderten Übersetzer, der sich bei der Schilderung anatomischer Details mit der Begründung verweigerte, er sei "Theologe, und nicht Biologe". Mit einem Angeklagten, der bekannte, er habe noch nie mit einer Frau geschlafen und das mal ausprobieren wollen. Ein anderer sagte aus, er habe das Opfer nur "zwischen den Beinen" abgewischt, weil es ihn so grauste. Einige sagten, die Frau habe sich auf sie geworfen, sie habe nach Pizza verlangt und getanzt.

Für Beobachter hatte es während des gesamten Prozesses indes kaum einen Zweifel daran gegeben, dass zum Schluss ein Schuldspruch herauskommen würde. Zu eindeutig DNA und Spermaspuren, zu eindeutig Indizien und Zeugen, die auf den Tatort, die Nacht, die Umstände hingewiesen hatten. Vier der Angeklagten hatten die junge Deutsche, die zum Feiern auf die Silvestermeile nach Wien gekommen war, sturzbetrunken vor einer Kneipe aufgesammelt und mit nach Hause genommen. Dort hielten sich fünf weitere Landsleute auf. Nacheinander fielen acht der neun über die wehrlose, reglose Frau her.

Überführt wurden die 22-bis 48-jährigen Männer, weil das Opfer nach dem stundenlangen Martyrium an einer Bushaltestelle regelrecht abgeladen worden war. Passanten brachten die weinende Frau in ihr Hotel. Per Handyortung konnte die Polizei feststellen, wo sich die Deutsche in den vergangenen Stunden aufgehalten hatte. Im ersten Schock gaben dann einige der Verhafteten weit mehr zu, als ihnen später lieb war. So bekannte ein junger Mann, wie oft Vater und Cousins in dem kleineren Raum der Zweizimmerwohnung über die Frau hergefallen seien und dass sie kein Licht gemacht hätten, damit sie nicht erkannt würden. Sie hätten sich verabredet, schnell nacheinander zum Zug zu kommen, damit die Betrunkene nicht merke, wie viele sie seien. Einer seiner Verwandten habe sich beklagt, die Frau sei "unten rum so eng".

Im Straflandesgericht wollte sich der Angeklagte dann aber an all das nicht mehr erinnern, er sei zu betrunken gewesen. Zum Schluss war es eine einfache Frage von Staatsanwältin Karina Fehringer, die klarmachte, warum: Der junge Iraker bekannte, er schäme sich, weil er seinen Vater belastet habe. Das Opfer ist traumatisiert und befindet sich bis heute in psychiatrischer Behandlung.

© SZ vom 03.03.2017

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