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Wetterprognose:Der Winter fällt aus

Schneeballschlachten, Schlittenfahrten und Glühwein bei Minusgraden - all das wird es wohl auch im Januar und Februar nicht geben. Meteorologen haben jetzt bestätigt, was mancher Fan der kalten Jahreszeit schon befürchtet hatte: Der Winter fällt in diesem Jahr aus.

Es ist Januar und eigentlich müsste in Mitteleuropa tiefster Winter herrschen. Doch statt der sonst üblichen weißen Ruhe spielen sich zurzeit merkwürdige Dinge in der Natur ab. So knospen in manchen Vorgärten bereits die Hyazinthen und aus der Kölner Bucht melden Botaniker blühende Haselnussbäume. Auf so manchem Dorfteich haben die Enten bereits mit der Balz begonnen.

Warmer Dezember

Ski tragen statt Skifahren: Eine Enttäuschung erleben in diesen Tagen die Touristen in Winterberg. Denn auch das sonst eher schneeverwöhnte Hochsauerland hat mit den milden Temperaturen zu kämpfen.

(Foto: dpa)

Schuld an der verkehrten Welt ist das frühlingshaft milde Wetter der vergangenen Wochen. Daran wird sich in diesem Winter auch nichts mehr ändern, davon sind Meteorologen überzeugt. "Einen klassischen Hochwinter, so wie wir ihn kennen, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr nicht geben", sagt der Agrarmeteorologe Falk Böttcher vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Leipzig. Anstelle "knackiger Minustemperaturen und längerer Schneeperioden" seien in den kommenden Wochen milde Temperaturen über dem Gefrierpunkt sowie Regen zu erwarten.

Alte Bauernregel scheint sich zu bestätigen

Grund für diese Annahme ist für den Meteorologen das Wetter der vergangenen Tage. "In der Regel ist der Jahresbeginn wegweisend für den weiteren Verlauf des Winters. Wenn in der ersten Januarhälfte kein Winter herrscht, war es das für den Rest", sagt Böttcher. Diese Erfahrung deckt sich mit der uralten Bauernregel zum Wetter zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag am 6. Januar. Die Regel besagt: "Ist bis Dreikönig kein Winter, folgt keiner mehr dahinter."

Allerdings prophezeit Böttcher kurzzeitige Ausnahmen von der Winterflaute. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass hier und da ein bisschen Schnee fällt und es zu Bodenfrost kommt", sagte Böttcher.

Der ausbleibende Winter ist indes kein neuartiges Phänomen. Laut den Wetteraufzeichnungen des DWD war bereits der Winter 2006/2007 praktisch ausgefallen, ähnliche Witterungsverhältnisse gab es auch 1951 und 1974.

Wenig erfreut über das momentane Wetter sind vor allem die Landwirte. Für sie könnte der ausbleibende Winter verheerende Folgen haben. Denn ohne Bodenfrost droht vor allem die Wintersaat auf den Feldern sprichwörtlich im Keim steckenzubleiben. "Die Pflanzen brauchen für ihr Wachstum einen Kältereiz, ansonsten tut sich nichts. Wir brauchen also unbedingt noch eine Kälteperiode", sagt Andreas Jahnel vom sächsischen Bauernverband. Frost allein reiche den Pflanzen allerdings noch nicht. Damit die Saat nicht einfach nur erfriert, müsste sich einen geschlossene Schneedecke bilden.

Welche Konsequenzen der fehlenden Winter letztlich für den Geldbeutel der Landwirte haben könnte, möchten sich die Verantwortlichen der Bauernverbände allerdings noch nicht ausmalen. "Noch ist erst Januar und wir hoffen, dass doch noch ein bisschen Winter kommt", sagt etwa Christiane Winzer, Agrar-Expertin beim Thüringer Bauernverband.

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