Minustemperaturen in Deutschland:Katastrophenfall in Jena bei Minusgraden

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Haushalte in Jena ohne Fernwärme-Versorgung

Bauarbeiter in Jena versuchen nachts den Katastrophenfall abzuwenden.

(Foto: Bodo Schackow/dpa)

Es bleibt eisig. In Thüringen können 6500 Haushalte stundenlang nicht heizen. In Berlin stirbt ein Mann nach einem Eisbad.

Der Winter sorgt weiterhin für klirrende Kälte in Deutschland - Autofahrer mussten in der Nacht zu Donnerstag keine größeren Behinderungen in Kauf nehmen. Der Oberbürgermeister von Jena rief dafür den Katastrophenfall aus: Dort mussten etwa 6500 Haushalte ohne Heizung und warmes Wasser auskommen, nachdem eine Fernwärmeleitung unterbrochen worden war.

Die Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, um das Auskühlen ihrer Wohnungen hinauszuzögern. Einige Bürger wurden an Notunterkünfte vermittelt. Stundenlang hatten Mitarbeiter der Stadtwerke und Spezialfirmen in der Thüringer Stadt nach der Ursache der Havarie gesucht und dafür auch eine Straße aufgerissen. Am Abend wurden sie fündig: Eine Leitung in einem Kreuzungsbereich hatte ein Leck, das noch in der Nacht repariert wurde. Wie die Stadtwerke mitteilten, konnte der Betrieb von drei Uhr morgens an schrittweise wieder anlaufen.

Auch anderenorts war es bitterkalt. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge entspannt es sich aber im Vorgleich zur vorherigen Nacht insgesamt etwas: Von Dienstag auf Mittwoch wurden die tiefsten Temperaturen des bisherigen Jahres gemessen - Mühlhausen, Thüringen, kam auf einen Tiefstwert von minus 26,7 Grad Celsius.

Tödlicher Unfall in Berlin

In Berlin starb ein beim Eisbaden in einem Teich verunglückter Mann. Retter suchten zweieinhalb Stunden lang nach dem 43-Jährigen, der nur mit einer Badehose bekleidet über ins Eis gehauene Löcher ins Wasser gestiegen sein soll. Der Mann wurde reanimiert und kam stark unterkühlt in ein Krankenhaus, wo er verstarb.

In der Nähe von Flensburg brachen zwei Kinder auf dem Eis eines Teichs ein. Ein Ehepaar beobachtete den Vorfall und rettete die Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren aus dem eiskalten Wasser.

Auf den Straßen blieb die Lage in der Nacht dagegen weitgehend ruhig. Im Raum Bielefeld, wo sich Autos und Lastwagen auf der A2 in den vergangenen Nächten zum Teil extrem gestaut hatte, floss der Verkehr weitgehend problemlos. Auch in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens meldete die Autobahnpolizei keine Staus am Donnerstagmorgen. Dennoch sei am Vormittag wegen des Berufsverkehrs vor allem auf den Autobahnen im Ruhrgebiet und in Westfalen mit Beeinträchtigungen zu rechnen.

Göttinger Autobahnpolizei: "Endlich mal keine Probleme"

Bei Braunschweig parkten auf der Autobahn laut der dortigen Polizei weiterhin viele Lastwagen auf dem Standstreifen, weil Rastplätze voll waren. Unfälle habe es aber nicht gegeben. Ein Sprecher der Göttinger Autobahnpolizei sagte, dass es "endlich mal keine Probleme" gebe. Auch in anderen Regionen meldeten die Polizeistationen vergleichsweise wenige Glätteunfälle. Allerdings gab es im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg einen tödlichen Verkehrsunfall. Eine 41-Jährige war bei winterlichen Straßenverhältnissen in den Gegenverkehr geraten - und kam ums Leben.

Glimpflich verlief ein Unfall im Kreis Ravensburg: Ein 52-Jähriger kam mit seinem Transporter bei Schneeglätte von der B12 ab und durchbrach im Erdgeschoss die Hauswand eines Bauernhauses. Der Fahrer des Transporters blieb unverletzt, die Hausbewohnerin kam mit dem Schrecken davon. Im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte wurden drei Menschen verletzt, als ein Auto ins Rutschen geriet und gegen einen Baum krachte.

Bahn nimmt Verbindungen wieder auf

Nach Angaben der Bahn liefen die wichtigsten Nord-Süd- und Ost-West-Fernverkehrsverbindungen am Mittwoch "überwiegend stabil, wenn auch mit deutlichen Verspätungen". Am Donnerstag sollte der Verkehr von Dresden Richtung Leipzig und Frankfurt wieder anfahren, wie die Bahn auf ihrer Internetseite meldete. Auch zwischen Hamburg und Kiel sowie Lübeck sollte es wieder ein "eingeschränktes Angebot" geben.

Die ausgestorbenen Innenstädte im Corona-Lockdown erleichtern derweil den wenigen Kältebussen die Versorgung der Obdachlosen. "Die Straßen sind bislang völlig leer gewesen. Da fällt es natürlich leichter, durch die Fußgängerzonen zu kommen. Man kann die Wohnungslosen auch schneller erkennen", sagt Sandra Welsch, die als Sozialarbeiterin für das Deutsche Rote Kreuz in Stuttgart den Einsatz des Kältebusses dort koordiniert.

Haben Restaurants oder Clubs geöffnet, seien deutlich mehr Menschen und angetrunkene Feiernde unterwegs, die die Arbeit der Ehrenamtlichen störten, sagt sie weiter. Wohnungslose könnten im Moment auch leichter einen Schlafplatz finden, weil Geschäfte geschlossen seien.

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