Wetter - Mayschoß:Wiederaufbaufonds nach Flutkatastrophe in Vorbereitung

Ahrweiler
Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, spricht. Foto: Sebastian Gollnow/dpa (Foto: dpa)

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Mayschoß (dpa/lrs) - Zwei Wochen nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz zeigen sich erste Erfolge des Dauereinsatzes, auch wenn das Ahrtal weiter vom Leid gezeichnet ist. Bei einem Besuch in Mayschoß sprach Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Mittwoch von einem schweren Trauma. Die Katastrophe habe das Bundesland "sehr verändert".

Die Zahl der Toten stieg am Mittwoch auf 134. In den vergangenen 24 Stunden seien zwei weitere Menschen tot geborgen worden, sagte Florian Stadtfeld vom Polizeipräsidium Koblenz. Bisher seien 76 Tote identifiziert worden. Nach wie vor vermisst werden noch 73 Menschen. Die Zahl der Verletzten nach dem Starkregen vom 14. Juli und den dadurch ausgelösten Sturzfluten gab Stadtfeld mit 766 an.

"Es gibt Gemeinden, die stufenweise und schrittweise übergehen in ein normales Leben", sagte Einsatzleiter Heinz Wolschendorf in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Andere Gemeinden seien noch nicht so weit. An Orten mit wieder gefestigten örtlichen Strukturen nehme die Bedeutung der akuten Gefahrenabwehr langsam ab. Dort werde die Bereitstellung von Einsatzkräften angepasst, was aber nicht unbedingt eine Verringerung bedeute, sagte der Einsatzleiter. Zurzeit seien insgesamt 5200 Einsatzkräfte vor Ort.

Ein Schwerpunkt des Einsatzes liege bei der Beseitigung von Trümmern und Müll, sagte Wolschendorf. Inzwischen seien viele der am Wochenende freigeräumten Flächen wieder gefüllt. Eine weitere Sorge seien Tierkadaver, nach denen auch mit Spürhunden gesucht werde. Bei aufkommendem Wind seien bis Freitag keine größeren Regenfälle zu erwarten. "Das Wetter ist noch auf unserer Seite, das ist positiv."

"Wir sind einfach heimgesucht worden von einer Naturkatastrophe von einem solchen Ausmaß, das einfach unbegreiflich ist", sagte Dreyer in Mayschoß an der Ahr. Ein solches Ausmaß einer Katastrophe habe man sich nicht vorstellen können. Dreyer rechnet nach eigenen Angaben damit, dass der Wiederaufbau "viele Monate und Jahre" dauern wird.

In Mayschoß mit gut 900 Einwohnern ist rund ein Drittel des Ortes zerstört. Dreyer machte sich bei einem Rundgang ein Bild von der Verwüstung. "Es geht mir vor allem darum, den Menschen zu zeigen, dass wir wirklich auch langfristig an ihrer Seite stehen. Dass sie die Sicherheit mitnehmen, dass wir sie als Land nicht vergessen, sondern sie tatkräftig unterstützen wollen."

Am Freitag werde sich das Kabinett auch mit dem Thema Wiederaufbau beschäftigen. Es sei klar, dass es einen Wiederaufbaufonds geben werde. "Daran arbeiten wir jetzt gerade mit Hochdruck." Sie sei sehr optimistisch, bis zum 10. August zu einem Ergebnis zu kommen.

In den besonders schwer betroffenen Regionen des Ahrtals dürfte die Wiederherstellung von Erdgasleitungen nach Einschätzung der Energieversorgung Mittelrhein noch mehrere Monate dauern. In Bad Neuenahr-Ahrweiler sei das Erdgasnetz teilweise völlig zerstört, "so dass hier das Netz zum größten Teil komplett neu errichtet werden muss", teilte der Versorger am Mittwoch in Koblenz mit. "Viele Leitungen sind überhaupt nicht mehr existent, andere sind in Teilbereichen noch zu verwenden", erklärte das Unternehmen nach einer ersten Bestandsaufnahme mit Unterstützung der Stadtwerke Neuwied. In den weniger stark zerstörten Gebieten sei es gelungen, das Netz wieder instandzusetzen.

© dpa-infocom, dpa:210728-99-582391/3

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