bedeckt München

Wetter-Bilanz 2020:Zu warm und zu trocken

Wetterdienst zieht Jahresbilanz

Deutlich ist der Wasserverlust am Ufer des Straussees in Brandenburg zu sehen. Wieder geht ein zu warmes Jahr zu Ende.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Trend bleibt alarmierend: Erneut geht ein zu warmes Jahr zu Ende, es belegt einen der vorderen Plätze in der Statistik. Das zeigt: Der Klimawandel schreitet weiter schnell voran.

Das Jahr 2020 ist vorläufigen Ergebnissen zufolge in Deutschland das zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen. Das geht aus der am Mittwoch in Offenbach veröffentlichten Bilanz des Deutschen Wetterdiensts (DWD) hervor. Die Durchschnittstemperatur betrug demnach 10,4 Grad. Damit liegt es auf Platz zwei hinter dem Rekordjahr 2018, als die mittlere Temperatur 10,5 Grad betrug. Auf den folgenden Plätzen liegen mit knappem Abstand 2019 und 2014 mit jeweils 10,3 Grad.

Es handelt sich um das zehnte Jahr in Folge, in dem die Durchschnittstemperatur das vieljährige Mittel übertraf. "Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kalt lassen", sagte Tobias Fuchs, Klima-Vorstand vom DWD. "Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend. Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln."

Zudem machten auch in diesem Jahr Trockenheit und Dürre Wäldern und Landwirtschaft zu schaffen. Vor allem im Frühjahr blieben Niederschläge aus und sorgten regional für staubtrockene Böden bis in den Sommer hinein. Zwischen März und Mai fiel im deutschlandweiten Schnitt nur etwa die Hälfte der üblichen Regenmenge. Besonders der Westen und Osten Deutschlands litten unter Trockenheit. Auch Waldbrände gehörten zu den Folgen.

Bereits den vergangenen Winter stufte der DWD als "extrem mild" und als zweitwärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 ein - von Eis und Schnee gab es vielerorts in Deutschland keine Spur. Das Frühjahr war sehr sonnig und ebenfalls zu warm, vor allem der April.

Vor allem der August war heiß und trocken

Der Sommer war wechselhaft, übertraf aber dennoch die Temperaturwerte des vieljährigen Mittels. Das Niederschlagssoll wurde fast erreicht, der Regen war jedoch regional sehr ungleich verteilt. Heiß war es vor allem im August, die Trockenheit erreichte hier ihren Höhepunkt. Starkregen verursachte Überflutungen, weil der ausgedörrte Boden die Wassermassen kaum aufnehmen konnte. Der Herbst war nach der Bilanz des DWD der viertwärmste überhaupt, zudem war es zu trocken. Viel Sonne machte auch den November zu einem zu warmen Monat, es regnete zu wenig.

Auch weltweit war das Jahr nach bisherigen Messdaten deutlich zu warm, auch wenn die finale Auswertung noch aussteht. Eine aktuelle Abschätzung veröffentlichte kürzlich der US-Klimaforscher Zeke Hausfather vom Breakthrough Institute auf Twitter: Demnach hat 2020 in den von der Nasa erhobenen Daten gute Chancen, einen neuen Temperaturrekord zu setzen, während es bei den anderen Datensätzen etwa von der US-Wetterbehörde Noaa oder dem EU-Klimadienst Copernicus eher nach einem zweiten Platz knapp hinter dem weltweiten Rekordjahr 2016 aussieht.

Dass das Jahr aber auch nur in die Nähe von 2016 kommt, das rund 1,1 Grad über der Temperatur der vorindustriellen Zeit lag, ist bemerkenswert. Denn 2016 war von einem extremen Exemplar des Klimaphänomens El Niño geprägt, das vor allem das Wasser an der Oberfläche des Ostpazifiks stark aufheizt und die globale Temperatur um ein bis zwei Zehntelgrade nach oben treiben kann. 2020 jedoch war zunächst neutral, seit dem Herbst herrscht das Gegenstück zu einem El Niño vor, La Niña genannt, das eigentlich kühlend wirkt. Dass unter diesen Umständen dennoch nahezu die Rekordtemperaturen von 2016 erreicht wurden, zeigt, wie schnell der Klimawandel fortschreitet und lässt nichts Gutes für das nächste Jahr mit einem starken El Niño ahnen.

© SZ/dpa/weis/lot/nas
Zur SZ-Startseite
Soybean harvest, near Lorette, Manitoba, Canada PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY acp46139

SZ PlusBiodiversität
:Voller Teller, leeres Land

Die bisherige Nahrungsmittelproduktion zerstört Lebensräume zahlreicher Tiere und Pflanzen. Der Artenschwund wird dramatisch - wenn die Menschheit nicht rasch gegensteuert.

Von Thomas Krumenacker

Lesen Sie mehr zum Thema