Nach einer vorläufigen Auswertung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist der diesjährige Sommer der zweitwärmste seit Beginn flächendeckender Messungen gewesen. Das voraussichtliche Temperaturmittel lag bei 19,6 Grad, wie der DWD in einer ersten Bilanz mitteilte. „Nach vorläufigen Berechnungen dürfte nur der Jahrhundertsommer 2003 mit 19,7 Grad wärmer gewesen sein.“
„Eine DWD-Attributionsstudie zur Hitzewelle Ende Juni 2026 ergab: Ohne den Klimawandel wäre eine Hitzewelle dieses Ausmaßes statistisch unmöglich gewesen.“ Mit Attributionsstudien lässt sich abschätzen, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität individueller Wetter- oder Klimaextreme verändert hat.
Noch nie war eine Nacht so warm
„Auffällig und außergewöhnlich waren insbesondere die Extreme: Die Hitzewelle Ende Juni erreichte in Ausmaß und Folgen Dimensionen, wie sie in Deutschland bislang nicht beobachtet wurden“, hieß es. Im Deutschland-Mittel wurden rund 22 heiße Tage mit mindestens 30 Grad und etwa fünf sehr heiße Tage mit mindestens 35 Grad ermittelt. Den vorläufigen bundesweiten Höchstwert und neuen Deutschland-Rekord meldete Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt am 27. Juni mit 41,8 Grad.
Auch die Nacht vom 27. zum 28. Juni war extrem: Im sächsischen Kubschütz sank die Temperatur nicht unter 29,4 Grad – „das höchste jemals in Deutschland gemessene nächtliche Minimum“. Diese Werte fielen in die außergewöhnliche Hitzewelle vom 18. bis 28. Juni, die „in Dauer, Ausdehnung und Intensität ohne historisches Vorbild“ gewesen sei.
Der Sommer war nach vorläufigen Angaben zudem sehr trocken, besonders im Westen und Südwesten Deutschlands. „Bei den Sonnenstunden dürfte sich der Sommer 2026 unter den Sonnenschein-reichsten seit Beginn der Aufzeichnungen einreihen.“
Mehr als 15 000 Hitzetote
Und das Wetter hatte tödliche Folgen: In diesem Jahr sind in Deutschland nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) bis Mitte August etwa 15 800 Menschen durch Hitze gestorben. 9600 dieser Todesfälle entfielen auf die Extremhitze Ende Juni, wie es im letzten Wochenbericht hieß. Weitere 4000 Sterbefälle seien auf die hohen Temperaturen in den ersten zwei Augustwochen zurückzuführen. Der Bericht betrachtet den Zeitraum vom 6. April bis zum 16. August.
In diesem Jahr sind damit wesentlich mehr Menschen an Hitze gestorben als in den vergangenen mindestens zehn Jahren. Laut RKI handelt es sich um konservative Schätzungen. Die Zahl könne sogar noch höher liegen. Der medizinische Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Uwe Janssens, hatte erklärt, viele Fälle würden nicht als hitzebedingt erfasst, weil auf Totenscheinen etwa Organversagen stehe.
Auch die Psyche leidet
Hannah Wallis, Juniorprofessorin an der Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Magdeburg, forscht zum Zusammenhang von Hitze und psychischer Gesundheit. Sowohl 2025 als auch 2026 habe sie Menschen an Tagen mit mehr als 25 Grad zu ihren psychischen und körperlichen Belastungen befragt und das mit Daten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.
Zu den Ergebnissen der ersten Studie im vergangenen Jahr sagt sie: „Je heißer es wird, desto mehr depressive und körperliche Symptome berichteten die Teilnehmer.“ Das sei nicht für jeden direkt spürbar. „Es kann sein, dass das ein leichtes, depressives, ängstliches Symptom ist.“ Besonders wichtig sei die Erkenntnis: Menschen, die ohnehin schon psychisch vorbelastet waren, haben bei steigenden Temperaturen deutlich mehr ängstliche und depressive Symptome berichtet als Menschen ohne solche Vorbelastungen.
Waldbrände, Probleme bei Schiffen
In der Eifel kam es im August im Hürtgenwald zu einem einwöchigen Großbrand. Häuser wurden evakuiert, Menschen mussten einen Ortsteil verlassen. Auch im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn nahe der deutschen Grenze brach ein Großbrand aus.
Wegen anhaltender Trockenheit und ausbleibendem Regen gingen die Pegelstände am Rhein zeitweise sehr stark zurück. Güterschiffe konnten zeitweise gar nicht mehr oder nur leer fahren. Außerdem verkehrten zahlreiche Fähren nicht mehr.
Bestehende Programme zum Klimaschutz sollten geprüft und besser verzahnt, Hürden für Anträge und Befristungen abgebaut und alles transparenter gestaltet werden, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Man wolle wissen, wo die Länder Geld vom Bund investieren. „Wir werden außerdem aus dem Hitzesommer 2026 Lehren ziehen und konkrete Hilfen prüfen müssen. Das betrifft vor allem die Vorsorge für Waldbrände, die Ausstattung der Feuerwehren und der weiteren Hilfsorganisationen, die bemerkenswerte Arbeit geleistet haben in diesem Sommer“, sagte Merz. Es gehe auch um Gesundheitsprävention, die Folgen für den Verkehr sowie Land- und Forstwirtschaft.


