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Wende im Verfahren gegen ehemaligen IWF-Chef:Strauss-Kahn ist auf freiem Fuß

Die Anklage gegen Dominique Strauss-Kahn wackelt: Die Staatsanwälte haben Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens, das den Ex-IWF-Chef der versuchten Vergewaltigung bezichtigt. Bei einer neuen Anhörung in New York hat ihn ein Richter unter Auflagen aus dem Hausarrest entlassen.

Im Verfahren gegen den früheren Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, gibt es eine überraschende Wende: Die Anklage wegen versuchter Vergewaltigung könnte platzen, weil die Ermittler erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin haben. Nach einer gerichtlichen Anhörung am Freitagmittag in New York wurde Strauss-Kahn aus dem Hausarrest entlassen.

Ein für Mitte Juli geplanter Termin vor dem State Supreme Court in Manhattan war nach Bekanntwerden der Zweifel der Staatsanwaltschaft auf diesen Freitag vorgezogen worden. Dabei entschied das Gericht, den Franzosen mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft auf freien Fuß zu setzen. Der 62-Jährige darf seine Fußfessel ablegen und sich in den USA frei bewegen. Seine Reisepapiere wurden jedoch einbehalten. Die Kaution soll er zurückbekommen. Bislang war der Volkswirt in einem Stadthaus rund um die Uhr bewacht worden. Die Ermittlungen gegen ihn laufen jedoch weiter.

Die neue Entwicklung ist offenbar Folge der Erkenntnisse, welche die New Yorker Staatsanwaltschaft über die Belastungszeugin gesammelt hat. Demnach soll das Zimmermädchen, das den früheren IWF-Chef der versuchten Vergewaltigung und Nötigung bezichtigt, mehrmals gelogen haben - unter anderem bei ihrem Asylantrag. Zudem habe sie einen Tag, nachdem Strauss-Kahn sie in einem New Yorker Luxushotel überwältigt und zum Sex gezwungen haben soll, am Telefon mit einem Gefängnisinsassen eruiert, wie man aus dem Vorfall finanzielle Vorteile herausschlagen könne. Das berichtete die New York Times unter Berufung auf zwei hochrangige Justizbeamte.

Überdies hätten mehrere Männer, unter ihnen der Häftling, immer wieder größere Geldbeträge, insgesamt 100.000 Dollar, auf das Konto des Zimmermädchens eingezahlt. Die Ermittler sollen, so die US-Zeitung, Indizien für eine Verwicklung der 32-Jährigen in Geldwäsche und Drogenhandel gefunden haben. Diese Erkenntnisse und die daraus erwachsenden Zweifel an der Anklage sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie von der Staatsanwaltschaft selbst zusammengetragen worden sein sollen.

Die Anwälte des französischen Politikers hatten seit dessen Verhaftung Hinweise auf eine mangelnde Glaubwürdigkeit der Zeugin gesammelt. Der Anwalt der Frau, Kenneth Thompson, konterte, das alles ändere nichts an dem "wichtigen Fakt, dass Strauss-Kahn das Opfer zu vergewaltigen versucht hat". Der Politiker selbst hatte den Vorwurf der Vergewaltigung immer bestritten, aber nach seiner Verhaftung Mitte Mai einvernehmlichen Sex eingeräumt. Er war aufgrund des massiven politischen Drucks von seinem Posten als Chef des Internationalen Währungsfonds zurückgetreten.

Vor allem in Frankreich, wo Strauss-Kahn als klarer Favorit für die sozialistische Spitzenkandidatur um das Präsidentenamt gegolten hatte, wurden die Medienberichte aus den USA mit erkennbarer Erleichterung aufgenommen. Bei den Sozialisten nährt die Wende Hoffnungen darauf, dass der Politiker nun ein Comeback anstreben könnte. Die Chefin der sozialistischen Partei, Martine Aubry, äußerte sich zuversichtlich, dass ihr Parteifreund nun "aus diesem Albtraum herauskommen" könne.

Vergewaltigungsvorwurf gegen EX-IWF-Chef

Strauss-Kahns persönlicher Albtraum