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Wende im Fall Strauss-Kahn:Der amerikanische Albtraum

Dominique Strauss-Kahn verlässt lächelnd den Gerichtssaal. Denn die New Yorker Staatsanwaltschaft musste zugeben, dass es "substanzielle Glaubwürdigkeitsprobleme" bei der einzigen Belastungszeugin gebe. Das Zimmermädchen, das den ehemaligen IWF-Chef der Vergewaltigung bezichtigt, schien hart arbeitend ihren amerikanischen Traum zu verwirklichen. Doch nun ist offen, ob sie tatsächlich Opfer oder gar Täterin ist.

Für Dominique Strauss-Kahn sind es die ersten Schritte zurück in die Freiheit. Um 11.30 Uhr Ortszeit betritt er an der Seite seiner Frau Anne Sinclair den Gerichtssaal in Manhattan. Er wirkt selbstsicher, fast entspannt, während er auf der Anklagebank Platz nimmt. Kaum mehr als fünf Minuten dauert die Verhandlung. Deren wesentlicher Inhalt besteht darin, dass die Staatsanwaltschaft zugibt, auf "substanzielle Glaubwürdigkeitsprobleme" bei der einzigen Belastungszeugin gestoßen zu sein, dem Zimmermädchen, das bis dahin als Opfer einer sexuellen Attacke Strauss-Kahns galt.

Anne Sinclair Dominique Strauss-Khan

Ein erleichterter Dominique Strauss-Kahn verlässt den Gerichtssaal in Manhattan. Doch die Staatsanwälte haben die Klage gegen ihn nicht fallengelassen. Noch nicht.

(Foto: AP)

In einem Brief an die Verteidigung, den das Gericht am Freitag veröffentlicht, fasst die Staatsanwaltschaft die Ungereimtheiten in den Angaben des Zimmermädchens zusammen. So sagte die Frau etwa zunächst aus, sich auf dem Flur versteckt zu haben, nachdem ihr die Flucht aus Strauss-Kahns Suite gelungen sei. Später rückte sie jedoch von ihrer Darstellung ab. Sie habe nach dem Vorfall noch ein weiteres Zimmer gereinigt und den Vergewaltigungsversuch erst danach gemeldet, betonte sie nun.

Richter Michael Obus zieht schnell die Konsequenzen: Der Hausarrest gegen den früheren Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird aufgehoben. Die Kaution - eine Million Dollar bar und eine Bürgschaft über fünf Millionen Dollar - wird erstattet. Nur seinen Pass bekommt Strauss-Kahn noch nicht zurück. Er muss vorerst in den USA bleiben. Die Staatsanwaltschaft ist nicht bereit, die Anklage ganz fallen zu lassen. Noch nicht, wie die New Yorker Chefanklägerin für Sexualstraftaten, Lisa Friel, selbst einräumt.

Ehe der Richter die Verhandlung schließt, wendet er sich direkt an den Angeklagten. "Mr. Strauss-Kahn", sagt er, "es gibt keinen Grund, zu einer schnellen Urteilsverkündung zu kommen. Das Gericht erwartet, dass Sie beim nächsten Termin am 18. Juli hier erscheinen." Die Erleichterung ist Strauss-Kahn anzumerken. Er lächelt, als Polizisten ihn aus dem Saal führen. Niemand kann sich vorstellen, dass er noch verurteilt wird.

Von Anfang an war es eine Frage der Glaubwürdigkeit. Strauss-Kahn war am 14. Mai auf dem New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen worden, nachdem ihn das Zimmermädchen der versuchten Vergewaltigung beschuldigt hatte. Es stand, wie bei vielen Vergewaltigungsprozessen, Aussage gegen Aussage. Der Sex war einvernehmlich, behaupteten Strauss-Kahns Anwälte. Es war Gewalt, sagten die betroffene Frau und - bis vor kurzem - die Staatsanwaltschaft.

Und nun die dramatische Wende. Von der Zeugin der Anklage ist bekannt, dass sie 32 Jahre alt ist, 2002 aus der afrikanischen Republik Guinea als Asylbewerberin nach Amerika einwanderte und schon mehrere Jahre für das Sofitel arbeitet, das Luxushotel in der Nähe des Times Square, wo sich die Sexattacke ereignet haben soll. Sie ist Witwe, muslimischen Glaubens und zieht ihre 14 Jahre alte Tochter alleine auf. Sie lebt in einer kleinen Wohnung in der Bronx, wo es eine Gemeinschaft von Einwanderern aus Guinea gibt.

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