Weltmeisterschaft im Debattieren Streiten lässt sich über jedes Thema

Auch wenn bei den Wettkämpfen der sportliche Aspekt im Vordergrund steht, soll Debattieren mehr sein als eine formale Übung, sachlich, analytisch und rhetorisch überzeugend zu sein. Die Teilnehmer sollen auch inhaltlich etwas mitnehmen. "Bei einigen Themen, zu denen ich vorher keine Meinung oder nur eine schwach ausgeprägte hatte, kann ich nun sagen, was ich richtig finde, weil ich eben von beiden Seiten tief in die Materie eingedrungen bin", sagt der Cheforganisator der WM.

Streiten lässt sich über jedes Thema, für das es ein Für und Wider gibt. Der Debattierclub der Universität Münster, zum Beispiel, hat auf seiner Webseite die Themen seiner wöchentlichen Treffen gesammelt. Darunter sind auch Gaga-Fragen, wie die, ob man die Zahl Sieben abschaffen oder den Weihnachtsmann verstaatlichen solle, aber die Mehrzahl dreht sich um reale politische und gesellschaftliche Diskussionen: Burka-Verbot in Deutschland, Arbeitspflicht für Hartz-IV-Empfänger, Finanzhilfen für Griechenland.

Worauf es in der Debatte dann ankommt, erklärt Patrick Ehmann am Beispiel Atomkraft, auch ein beliebtes Thema - und ein besonders gutes bei einer Weltmeisterschaft, weil die verschiedenen Länder ganz unterschiedliche Positionen und Argumente vertreten. "Erst einmal muss natürlich die Sachdarstellung richtig sein. Aber das Wesentliche ist, dass daraus eine gute Analyse folgt", sagt Ehmann. "Es reicht nicht, zu sagen, dass es in der Vergangenheit Atomkraftwerke gab, die in die Luft geflogen sind, wie Tschernobyl. Man muss erklären, welche Faktoren dafür eine Rolle gespielt haben und dann daraus folgern, ob diese auch in Zukunft für weitere Atomkraftwerke gefährlich sind - oder eben nicht, weil man diese Faktoren ausschalten kann."

Zeitunglesen von Vorteil

Die Analyse ist entscheidend, aber auch ihre Verpackung. Wer seine Argumente rhetorisch brillant präsentiert, hat Chancen, von der Jury zum Sieger gekürt zu werden. "Leute, die weit vorne sind, sind normalerweise diejenigen, die viele Zeitungen lesen und Nachrichten schauen", sagt Ehmann. Letztlich könne aber jeder, der reden kann, auch ein Debattierer werden.

Bei aller Gesinnungsferne wollen die Debattierer die Welt aber auch ein bisschen besser machen. Deshalb "Die Kraft des Widerspruchs" als Motto. Gerade bei Weltmeisterschaften treffen Leute aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten aufeinander, die Auseinandersetzung soll also auch den persönlichen Horizont erweitern. Neben Studenten aus Demokratien treten auch welche aus Ländern wie Myanmar, Tadschikistan, China und Simbabwe an, wo die freie Meinungsäußerung nicht uneingeschränkt möglich ist. Mit Rücksicht auf diese Teilnehmer werde, anders als sonst, bei der WM nicht jedes heikle Thema angesprochen, sagt Ehmann: "Das Debattieren soll einfach die Fähigkeit zum Widerspruch schulen - und das ist etwas, das auch zu einem langsamen Wandel beitragen kann."

Alle Runden der Weltmeisterschaft im Debattieren, die im Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin ausgetragen werden, sind für Zuschauer offen und kostenlos. Für das Finale am 3. Januar um 17 Uhr im Maritim Hotel Berlin sollte man sich anmelden. Details unter wudcberlin.com.