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Weltjugendtag:Kilometerlange Schlange vor dem Dom

Mit einer großen Domwallfahrt und mehr als 100 Katechesen ist der Weltjugendtag in Köln fortgesetzt worden. Neben der Vorfreude über den Papst-Besuch herrscht vor allem große Trauer über den Tod des Taizé-Gründers Frère Roger.

Mit einer großen Domwallfahrt und Glaubensgesprächen in zahlreichen Gemeinden ist der katholische Weltjugendtag (WJT) in Köln fortgesetzt worden.

Pilger ddp

Pilger des Weltjugendtages gehen im Dom zum Schrein der Heiligen Drei Könige.

(Foto: Foto: ddp)

Bei der Wallfahrt der Pilger bildete sich vor dem Dom eine kilometerlange Schlange. Die Kathedrale ist für die Wallfahrt zum Dreikönigenschrein noch bis einschließlich Freitag mindestens 18 Stunden pro Tag geöffnet; insgesamt werden bis zu 400.000 Teilnehmer erwartet.

WJT-Generalsekretär Heiner Koch nannte die Domwallfahrt ein "besonderes Spezifikum" des am Dienstag eröffneten Kölner Weltjugendtags, der unter dem Motto steht "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten".

Dieses Zitat erinnert an die Erzählungen von den biblischen Drei Königen und ihrer Wallfahrt zum Jesuskind in der Krippe. Die Reliquien der drei Heiligen werden seit dem 12. Jahrhundert in Köln aufbewahrt und sind die bedeutendste Sehenswürdigkeit in dem gotischen Gotteshaus.

Viele Sprachen, ein Glaube

In mehr als 100 Katechesen erläuterten Bischöfe am Mittwoch den Pilgern des Weltjugendtags den katholischen Glauben. In Kirchen, Konzertsälen und Messehallen kamen junge Gläubige in Köln, Bonn, Düsseldorf und Umgebung zu den Unterweisungen in vielen Sprachen zusammen. Bis Freitag nehmen alle Pilger aus 197 Ländern an einer solchen Katechese teil.

Bundespräsident Horst Köhler besuchte in Bonn das Global Village der katholischen Landjugendbewegung. Er wurde von den Jugendlichen mit Beifall begrüßt und musste immer wieder Autogramme schreiben. Das Staatsoberhaupt lobte das große Engagement der Jugendlichen für eine gerechtere Welt. Er rief sie auf, sich aktiv in die Politik einzumischen.

Überschattet wurde der Weltjugendtag vom gewaltsamen Tod des Taizé-Gründers Frère Roger (90). In Gottesdiensten wurde für den am Dienstagabend im französischen Taizé bei einer Messerattacke getöteten Geistlichen gebetet.

Eine "schauerliche Nachricht"

Wie der Papst zeigte sich auch der Weltjugendtag erschüttert vom Tod Frère Rogers. Der gewaltsame Tod des protestantischen Gründers der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé sei eine "schauerliche Nachricht", sagte Joseph Ratzinger in Rom. Bruder Roger habe ihm kürzlich erst geschrieben, er sei im Geiste ganz beim katholischen Weltjugendtreffen in Köln.

Der deutsche Jugendbischof Franz-Josef Bode würdigte in der Domstadt den von einer offenbar geistig verwirrten Frau getöteten Geistlichen: "Er war neben Papst Johannes Paul II. eine ganz bedeutende glaubwürdige Autorität für junge Menschen, ein Brückenbauer zwischen den Konfessionen und den Generationen."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sprach von einer "unbegreiflichen Tat". "Ich bin gewiss, dass der Weltjugendtag 2005 in Köln in allen Gottesdiensten für unseren großen Freund und Pionier einer geistlichen Ökumene beten wird." In der Nacht zum Mittwoch bis in die frühen Morgenstunden beteten jugendliche Christen in der Krypta der St.-Agnes-Kirche in Köln, dem geistlichen Zentrum der Taizé-Gemeinde während des Weltjugendtags.

Gerade junge Gläubige sahen in Frère Roger ein Vorbild. Trotz des Schocks habe sich aber nicht Mut- oder Hoffnungslosigkeit breitgemacht, berichtete Kaplan Dominik Meiering. Die ganze Nacht über seien Taizé-Lieder gesungen worden, "gerade so wie Bruder Roger es sich gewünscht hätte".

Beim Papst-Besuch wird es richtig voll

Nach Angaben des WJT-Geschäftsführers Hermann-Josef Johanns waren bis zum Dienstagmittag 325.000 der insgesamt 405.000 registrierten Pilger aus aller Welt im Erzbistum Köln eingetroffen. Die übrigen WJT-Teilnehmer werden spätestens zum Besuch des Papstes in Köln erwartet.

Benedikt XVI. soll am Donnerstag in der Domstadt eintreffen; bei zwei Abschlussveranstaltungen mit dem Kirchenoberhaupt am Wochenende auf einem Freigelände bei Köln rechnen die Veranstalter mit bis zu 800.000 Teilnehmern.

Joseph Ratzinger (78) wird als erster deutscher Papst seit 500 Jahren am Donnerstag in Köln erwartet. Die Sicherheitsbehörden überprüften noch einmal ihre Maßnahmen und waren zuversichtlich. "Es kann losgehen", sagte ein Polizeisprecher. Das Kirchenoberhaupt kommt aus Rom mit dem Flugzeug um 12.00 Uhr auf dem Köln/Bonner Flughafen an.

Erster Höhepunkt ist am Nachmittag eine Fahrt auf einem Rheinschiff und einer Ansprache vom Boot aus auf Höhe der Poller Rheinwiesen. Spürhunde schnüffelten das Boot noch einmal auf Sprengstoff ab. Am frühen Abend wird der Papst den Kölner Dom besuchen. Dabei ist ein Grußwort auf dem Roncalli-Platz vor der Kathedrale vorgesehen, ehe der Papst mit dem Papamobil zum Erzbischöflichen Palais fährt. Dort wohnt er während seines viertägigen Deutschlandbesuchs.

Es ist die erste Auslandsreise von Benedikt XVI. seit seiner Wahl im April.