"Welcome to New York" Strauss-Kahn will gegen Skandalfilm klagen

Wehrt sich gegen einen abseits des Festivals von Cannes gezeigten Skandal-Film, der seine angeblichen Sex-Affären thematisiert. Der frühere IWF-Präsident Dominique Strauss-Kahn.

(Foto: AFP)

Champagner-Duschen, Sex-Orgien und ein rücksichtsloser Macho: Ein gerade herausgekommener Film zeichnet die Affäre um Dominique Strauss-Kahn nach. Der IWF-Chef will das nicht hinnehmen - und wehrt sich juristisch.

Jean Veil, der Anwalt des ehemaligen Währungsfondschefs Dominique Strauss-Kahn, wählt ziemlich deutliche Worte, um seine Meinung über den Film "Welcome to New York" kundzutun, der am Samstagabend am Rande des Filmfestivals in Cannes erstmals gezeigt wurde. "Eine Scheiße, eine Hundekacke" sei das alles, so das knappe, aber eindeutige Urteil Veils.

In dem Film von US-Regisseur Abel Ferrara spielt Gérard Depardieu einen extrem mächtigen Banker, der sich - man muss das so explizit sagen - quer durch New York vögelt. Ein sexsüchtiger, rücksichtloser Macho wird da gezeigt und sein Treiben in den Suiten der Fünf-Sterne-Hotels. Dicke Zigarren, Champagner-Duschen, Sexorgien. Das volle Programm.

Schon der Trailer, der im Netz in einer zensierten (Gestöhne im Hotelzimmer, fahles, dunkelgelbes Licht ) und in einer unzensierten (Gestöhne im Hotelzimmer, fahles dunkelgelbes Licht und entblößte Brüste) Version zu sehen ist, vermittelt einen Eindruck davon, was Ferrara und Depardieu hier darstellen: Das Leben von Dominique Strauss-Kahn nämlich, also das Leben vor jenem Vorfall im Frühjahr 2011, als der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurücktreten musste, nachdem ihn ein Zimmermädchen des Hotels Sofitel der Vergewaltigung beschuldigt hatte.

Strauss-Kahn sei "angewidert und entsetzt über den Film", so sein Anwalt Veil dem Sender Europe1. Sein Mandant werde juristisch gegen den Film vorgehen und Anzeige wegen Verleumdung erstatten. In "Welcome to New York" würden die alten Vergewaltigungsvorwürfe wieder aufgegriffen. Zudem sei der Film teilweise antisemitisch, so Veil. Strauss-Kahn sei von der Justiz in New York klar von den Vorwürfen entlastet worden. "Wie jeder hat er das Recht auf Vergessen", so der Anwalt.

Strauss-Kahn hatte nach der Affäre eingeräumt, "einvernehmlichen Sex" mit dem Zimmermädchen gehabt zu haben, die Vergewaltigungsvorwürfe allerdings stets bestritten. Das Strafverfahren gegen ihn wurde später wegen mangelnder Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers eingestellt, seine Ambitionen auf eine Kandidatur für die französische Präsidentschaftswahl hat die Affäre allerdings zunichte gemacht. Strauss-Kahns Frau, die renommierte Journalistin Anne Sinclair, die ihn in der Sofitel-Affäre stets unterstützt hatte, trennte sich daraufhin von ihm.

"Welcome to New York" ist zum Teil an den Originalschauplätzen der Affäre um Strauss-Kahn gedreht. Seine Ex-Frau wird im Film von Jacqueline Bisset verkörpert. Depardieu, der im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2012 den konservativen Kandidaten Nicolas Sarkozy unterstützt hatte, versicherte nach der Premiere, er habe die Hauptfigur nicht "ins Recht oder Unrecht setzen" wollen. Er könne die "Regungen" einer solchen Figur "verstehen", bedaure aber "Menschen, die so sind".

Der Film wird nicht in die Kinos kommen, kann aber seit Samstagabend im Internet gesehen werden. Die Produzenten hatten betont, dass ihre Produktion nach US-Recht zu beurteilen sei und sie sich zuvor rechtlich gegen Klagen abgesichert hätten.