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Wein und Obst:Mancher Landwirt bangt um das Geschäft des ganzen Jahres

Der Deutsche Bauernverband beklagt dramatische Folgen. "Wir haben Ausfälle bei einzelnen Betrieben in einzelnen Regionen, die in Größenordnungen von 70 bis 80, zum Teil bis 100 Prozent gehen", sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied in Berlin. In manchen Bundesländern gebe es "großflächig massive Schäden". Neben Wein stark betroffen sind Steinobst und Kernobst. Aber auch auf Erdbeer- und Spargelfeldern sind die Folgen immens. Die Frostschäden bereiteten den Landwirten "massive Sorgen", sagt der Bauernpräsident. Viele bangen um das Geschäft des ganzen Jahres.

Dass die Ernte bei vielen Obstsorten geringer ausfällt, kann auch für Verbraucher Folgen haben. Wegen der massiven Verluste dürften die Preise für die besonders geschädigten Kirschen in diesem Jahr deutlich steigen. Gleiches gilt für andere Obstorten, deren heimischer Anteil am gesamten Markt groß ist - etwa Äpfel, Birnen oder Erdbeeren. Allerdings hoffen die Landwirte noch darauf, dass sich Pflanzen in den nächsten Wochen vom Frost erholen.

Der Bauernverband fordert von der Politik ein Hilfspaket. "Hier ist staatliches Handeln erforderlich", sagt Präsident Rukwied. Er schlägt neben einer Liquiditätssicherung auch direkte Entschädigungen vor. Da seine Branche am stärksten vom Klimawandel betroffen sei, solle es auch Zuschüsse zur Frostversicherung und Investitionshilfen für die Installation von Berieselungsanlagen geben, welche die Pflanzen vor Frost schützen.

Auch der Winzer Christian Stein hält es für angemessen, wenn die Politik hilft, wiewohl natürlich nicht alle Schäden abgedeckt werden könnten. Das verlange auch niemand. Er ist nicht gegen Frost versichert. Zu teuer, sagt er. Wie das nun weitergeht mit ihm als Winzer, oder "Wengerter", wie sie in Württemberg sagen? Hin und wieder, gibt er zu, überlege er tatsächlich, den Familienbetrieb aufzugeben, zumal seine Anbauflächen wegen der Tallage besonders anfällig sind für Frost. Aber er macht den Job mit Leib und Seele. Irgendwie, sagt er, müsse man als Winzer eben lernen, mit den Wetterkapriolen umzugehen - auch wenn sie immer häufiger auftreten.

© SZ vom 04.05.2017
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