Wegen Streit um Homo-Ehe Paul Haggis verlässt Scientology

Regisseur Paul Haggis hat Scientology den Rücken gekehrt - nach 35 Zugehörigkeit. Der Standpunkt der Organisation bei Schwulenrechten brachte ihn in Rage.

Viele Hollywood-Stars wie Tom Cruise und John Travolta sind Scientologen, auch Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis hat die Organisation bislang stets verteidigt. Nun aber verlässt der zweifache Oscar-Preisträger Scientology - nach 35 Jahren Zugehörigkeit. Als Grund für seinen Rückzug nennt der gebürtige Kanadier vor allem die diskriminierende Haltung der Glaubensgemeinschaft gegenüber Homosexuellen.

Paul Haggis: "Moralisch verwerfliche Haltung".

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In einem offenen Brief begründete Haggis seinen Schritt. Der Regisseur und Drehbuchautor ("Million Dollar Baby") hält der Organisation vor, dass sie nichts dagegen unternommen habe, als sich ihre Vertretung in San Diego für ein Verbot der Homosexuellen-Ehe in Kalifornien starkmachte. Die sogenannte "Proposition 8" verhindert dort eine Gleichstellung von Ehegemeinschaften hetero- und homosexueller Paare, Scientology unterstützte die Petition, für die im November letzten Jahres die Mehrheit der Kalifornier stimmte.

"Ich habe endlich den Entschluss gefasst, dass ich nicht länger Teil dieser Gruppe sein kann", schreibt der 56-Jährige in dem Brief an den Scientology- Sprecher Tommy Davis, den die Los Angeles Times am Montag veröffentlichte. "Die Weigerung der Kirche, die Aktionen dieser Frömmler, Heuchler und Homophoben anzuprangern, ist einfach feige", beschwert sich Haggis.

Er habe früher von Scientology viel gelernt und Unterstützung erhalten und er habe die Organisation stets gegen Kritik in Schutz genommen, räumt Haggis ein. Nun sei er aber "schockiert" über Lügen und falsche Darstellungen, die von Mitarbeitern verbreitet werden. So gäbe es etwa auch die Forderung, dass sich Anhänger von Freunden und Verwandten lossagen, die Scientology kritisieren. Diese Vorschrift der Abtrennung würde aber öffentlich geleugnet. Haggis führte als Beispiel seine Frau an, die der Aufforderung gefolgt war, den Kontakt zu ihren Eltern abzubrechen. Haggis sprach von einer "moralisch verwerflichen" Anordnung.

Der Filmemacher hatte 2006 zwei Oscars für sein Drama "L.A. Crash" erhalten. Der Kanadier ist auch ein gefragter Drehbuchautor, der unter anderem auch an den Bond-Filmen "Casino Royale" und "Ein Quantum Trost" beteiligt war.