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Wales:Von der Außenwelt abgeschnitten

In einem walisischen Dorf fiel jeden Morgen verlässlich um 7 Uhr das Internet aus. Monatelang forschten Experten nach der Ursache - und fanden ein veraltetes TV-Gerät.

Von Max Sprick

Aberhosan, eine Ansammlung von ein paar Häusern, liegt inmitten tiefer Täler, umgeben von Flüssen, Hügeln und nahe der Kleinstadt Machynlleth - irgendwo im Nirgendwo von Wales. Man kann schon behaupten, dass die Einwohner Aberhosans nicht exzessiv teilhaben am Weltgeschehen. Außer Robert Plant und Jimmy Page verirren sich in ein kleines Sommerhaus, ein paar Meilen entfernt, um Songs für ihr Album Led Zeppelin III zu schreiben. Aber das ist lange her. Heute besteht der Alltag hier vor allem aus Schafzucht. Wer in Aberhosan mehr von der Welt mitbekommen will, ist, wie in wohl jedem entlegenen Fleck dieser Erde, auf das Internet angewiesen. Umso ärgerlicher, wenn das dann auch nicht funktioniert.

In Aberhosan konnten sie ihre Uhren danach stellen. 18 Monate lang fiel verlässlich um 7 Uhr morgens das Internet aus. Jeden einzelnen Morgen. Der britische Telekom-Dienstleister Open Reach ließ die gesamte Verkabelung im Dorf erneuern, etliche Experten forschten monatelang nach dem Grund für die Ausfälle, schließlich kamen Ingenieure, die wegen der Corona-Pandemie keine Unterkunft fanden und in 55 Meilen Entfernung auf der Wiese neben einem Gasthaus campieren mussten. Jeden Morgen marschierten sie mit einem Suchgerät für elektronische Störungen durch strömenden Regen durch Aberhosan - bis sie nun endlich fündig wurden.

"Es stellte sich heraus, dass ein Bewohner jeden Morgen um 7 Uhr einen alten Fernseher einschaltete", wird der Ingenieur Michael Jones in einer Mitteilung von Open Reach zitiert. "Was wiederum das Internet für das gesamte Dorf ausschaltete." Der veraltete Fernseher habe elektronische Störungen ins Netz geschickt und die Internetverbindung signifikant gestört. Der Zuschauer sei sofort einverstanden gewesen, sein Gerät auszuschalten und es nie mehr anzustellen. Ob er darüber reden wolle, fragt man also bei Open Reach an. Doch der Fernseh-Nutzer will anonym bleiben. "Verständlicherweise ist es ihm mehr als ein bisschen peinlich, dafür verantwortlich zu sein, dass das Internet aller Nachbarn durcheinander gebracht wird", antwortet ein Sprecher.

© SZ/olkl

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