Waldbrand in Brandenburg:Einsatzleiter spricht von "einmaliger Dimension" des Feuers

Auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe von Jüterbog wütet ein Feuer, das mehr als doppelt so groß ist wie der Englische Garten in München. Die Flammen zu löschen ist schwerer als angenommen, sagt der Einsatzleiter.

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Waldbrand bei Jüterbog

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Zahlreiche Feuerwehrleute sind auch am Donnerstag wieder im Einsatz, um den großen Waldbrand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Nähe der brandenburgischen Stadt Jüterbog zu bekämpfen. Jüterbog liegt etwa 60 Kilometer südwestlich der Berliner Stadtgrenze im Landkreis Teltow-Fläming.

Waldbrände in Brandenburg

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Am Nachmittag rief der Landkreis Teltow-Fläming den Großschadensfall aus. Der Brand sei schwerer zu löschen als bisher angenommen. Das Feuer habe eine "einmalige Dimension" angenommen. "Das hatten wir so noch nie", sagt Kreisbrandmeister Tino Gausche.

Die Feuerwehr hat einen weiteren Löschhubschrauber von der Bundeswehr angefordert, um die Flammen besser bekämpfen zu können. Bislang sind zwei Löschhubschrauber der Bundespolizei im Einsatz. Der Landesregierung zufolge handelt es sich um den größten Waldbrand in Brandenburg seit der Wende. Das letzte große Feuer dieser Art habe es in den siebziger Jahren gegeben, sagt Carsten Leßner, der zuständige Referatsleiter im brandenburgischen Umweltministerium.

Waldbrand bei Jüterbog

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Zwar konnten die Einsatzkräfte in der Nacht eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindern, doch gebannt ist die Gefahr noch lange nicht.

Waldbrände in Brandenburg

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Auch Polizei, Technisches Hilfswerk und Agrargenossenschaften unterstützen die derzeit etwa 150 Feuerwehrleute. Die Flammen haben inzwischen eine Fläche von mehr als 800 Hektar erfasst, das ist mehr als doppelt so groß wie der Englische Garten in München.

Die Dörfer rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz seien jedoch nicht in Gefahr, heißt es von den Behörden. Anwohnerinnen und Anwohner werden jedoch weiterhin gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten und den Aufenthalt im Freien auf das notwendige Maß zu beschränken.

Gefährlich sei die Situation für die Einsatzkräfte vor Ort, sagte Arne Raue, der Bürgermeister von Jüterbog. Untersuchungen hätten ergeben, dass auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz verschiedene Munition erprobt worden sei, darunter U-Boot Munition und auch Torpedos. "Wir wissen, dass wir alle möglichen Chemikalien in der Erde haben, wir wissen aber nicht, wie sie miteinander reagieren", so der Bürgermeister. Von 1864 bis 1992 sei das Gelände militärisch genutzt worden. Während der Kaiserzeit, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, zu DDR-Zeiten bis zur Gegenwart sei Munition aller Art abgefeuert worden und die Blindgänger seien einfach liegen geblieben und im Laufe der Jahre verrottet. Ein Betreten des Geländes ist undenkbar. Die Einsatzkräfte können deshalb nur von speziell geschaffenen Wegen aus, die dauernd bewässert werden, den Brand löschen.

Waldbrand bei Hennickendorf

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Ganz in der Nähe, ebenfalls im Landkreis Teltow-Fläming, gab es nahe der Ortschaft Hennickendorf einen weiteren Waldbrand. Auch dieses Feuer, das eine Fläche von 60 Hektar einnahm, wütete seit Montag. Es gelang der Feuerwehr jedoch in der Nacht zum Donnerstag, die Flammen zu löschen, wie die Regionalleitstelle mitteilte. Feuerwehrleute sollten das Gebiet noch in regelmäßigen Abständen kontrollieren.

Waldbrand bei Jüterbog

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Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) hat von Waldbränden betroffenen Gemeinden Hilfe zugesagt. Gleichzeitig ermahnte er die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, diese Hilfe auch anzufordern. "Wir haben ohne Rechtsgrund 80 Prozent der Kosten des vergangenen Jahres als Land übernommen. Und es ist so gut wie sicher, dass wir auch in diesem Jahr wieder einen Teil der Mehrkosten durch Unterstützung aus der Luft übernehmen werden", sagte Schröter. "Davon können auch die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister ausgehen. Die müssen nur anordnen."

Waldbrand bei Jüterbog

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Am Donnerstag kündigte sich eine leichte Entspannung der Wetterlage an. Zwar erwartete der Deutsche Wetterdienst (DWD) erneut Temperaturen von mehr als 30 Grad in Ostdeutschland. Ab Mittag sollten aber von Westen her Gewitter übers Land ziehen. "Brandenburg kann mit größeren Niederschlägen rechnen", sagte DWD-Meteorologe Marcus Beyer. Lokal könne es aber auch trocken bleiben. Ergiebiger Landregen, der eine längerfristige Entspannung bringen könnte, ist außerdem nicht absehbar. Schon am Wochenende könne die Waldbrandgefahr daher wieder steigen.

© SZ.de/dpa/pvn/wib/olkl
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