Wegen eines Waldbrandes in der Gemeinde Hürtgenwald in Nordrhein-Westfalen wurden die Bewohner des Ortsteils Gey in Sicherheit gebracht. Nach Angaben einer Kreissprecherin sei das Feuer noch etwa 150 bis 200 Meter von der Ortschaft entfernt. Hürtgenwald liegt im Westen Nordrhein-Westfalens nahe der belgischen Grenze und hat knapp 9000 Einwohner. In Gey leben etwa 1800 Menschen.
Alle Bewohner des Gemeindeteils in den nördlichen Ausläufern der Eifel hätten ihre Häuser und Wohnungen verlassen, teilte eine Sprecherin des Kreises Düren mit. Die Gemeinde spricht von einer Großschadenslage. Demnach sei auch der Ortsteil Großhau durch die Flammen gefährdet. Die Ausfahrten Düren und Langerwehe der A 4 seien gesperrt, teilte die Autobahn GmbH mit.
Brände breiten sich weiter aus
Die Warn-App Nina zeigt die höchste Warnstufe „Extreme Gefahr“ an. Nach Angaben der Gemeinde breite sich das Feuer weiter aus. Ursprünglich war ein Gebiet von etwa 25 Hektar von dem Feuer betroffen. Mittlerweile seien es rund 300 Hektar – das entspricht etwa 420 Fußballfeldern.

Am Morgen seien mehr als 200 Einsatzkräfte vor Ort, teilte der Kreis Düren mit. Die Bundeswehr unterstütze mit zwei Panzern. Laut dem Verteidigungsministerium in Berlin sind zudem zwei Transporthubschrauber für Löscharbeiten von Faßberg in Niedersachsen gestartet.
Aktuell seien schon fünf Hubschrauber mit ihren Besatzungen bei dem Einsatz eingebunden. Dabei handele es sich um einen Hubschrauber der NRW-Polizei, einen Hubschrauber der Bundespolizei sowie drei Hubschrauber aus Rheinland-Pfalz und Hessen, sagte eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ein zweiter Hubschrauber der NRW-Polizei werde vorbereitet.

Es gebe eine starke Rauchentwicklung und Ascheaustrag, sagte Feuerwehrsprecher Peter Berndgen. Die bisherigen Anlaufstellen in einer Grundschule im Ortsteil Straß sowie einem nahen Sport- und Schützenheim im selben Ortsteil müssten deshalb geräumt werden, teilte der Kreis mit. Neue Anlaufstelle sei eine Förderschule in Düren. Betroffene würden dorthin gebracht.
Ursache des Waldbrandes ist noch unklar
In der Nacht war das Feuer zunächst noch etwa 500 Meter von Gey entfernt. Dann habe sich der Wind gedreht, sagte eine Polizeisprecherin. Kurz vor vier Uhr ordnete die Feuerwehr deshalb die Evakuierung an. Die Einsatzkräfte versuchen zu verhindern, dass die Flammen den Ort erreichen.

Wegen der sich zuspitzenden Situation wurde zudem der Krisenstab des Kreises Düren einberufen. Dieser werde die aktuelle Lage und das weitere Vorgehen besprechen, sagte zuvor die Sprecherin des Kreises. Die Ursache des Waldbrandes ist bislang nicht bekannt. Offen ist auch, ob weitere Ortsteile oder Gemeinden evakuiert werden müssen. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet. Hürtgenwald-Gey liegt nur rund zehn Kilometer von der Kreisstadt Düren mit etwa 94 000 Einwohnern entfernt.
Munitionsbelastung erschwert Löscheinsatz
Die Löscharbeiten des großen Waldbrandes in Hürtgenwald werden durch Weltkriegsmunition auf dem Gelände erschwert. „Das Gelände ist doch sehr schwierig, und durch die hohe Munitionsbelastung können wir auch keine einzelnen Feuerwehrleute mit Löschrucksäcken reinschicken“, sagte Ralf Nolten (CDU), Landrat des Kreises Düren, der dpa. Im Laufe der Nacht sei auf dem Brandgelände bereits Munition hochgegangen. „Wir haben auch die Schläge gehört.“

Der Hürtgenwald war 1944 und 1945 Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen. Bis heute werden in der Region Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.
Weitere Brände in Nordrhein-Westfalen und anderen Teilen Deutschlands
Auch am Möhnesee und in Sundern im Sauerland sind in den vergangenen Tagen Brände ausgebrochen. Diese seien mittlerweile weitgehend unter Kontrolle gebracht. An beiden Orten werden die Bewässerung der Brandflächen und die Nachlöscharbeiten jedoch noch den Tag über dauern, wie die Feuerwehren mitteilten.
Östlich von Benneckenstein im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt ist am Donnerstag ebenfalls ein Waldbrand ausgebrochen. Rund viereinhalb Hektar Wald seien von dem Feuer betroffen gewesen, sagte Einsatzleiter Dirk Rieche. Etwa 250 Einsatzkräfte brachten das Feuer mithilfe eines Löschflugzeugs unter Kontrolle. Derzeit laufen noch Nachlöscharbeiten.

