Das Feuer im Naturschutzgebiet Hohes Venn in Belgien rückt nicht mehr auf die deutsche Grenze vor. Leichter Regen, kein Wind und hohe Luftfeuchtigkeit spielten den Einsatzkräften in die Hände. „Das ist gut für uns“, sagte ein Feuerwehrsprecher in der Einsatzleitstelle in Kalterherberg, einem Stadtteil von Monschau. Es handelt sich mit rund 3000 Hektar Fläche um den größten Waldbrand in der Geschichte Belgiens.
Das Feuer war bis 300 Meter an die deutsche Grenze herangerückt. Zudem war zeitweise befürchtet worden, dass der Wind auffrischen, sich zusätzlich ungünstig drehen und die Flammen Richtung Deutschland treiben könnte. Die etwa 30 Bewohner der 17 Häuser in den Ortslagen Ruitzhof und Geisberg waren am Sonntagabend gegen 22 Uhr in Sicherheit gebracht worden. Die Brandbekämpfer hoffen, die Häuser retten zu können: „Zwischen dem Feuer und den Häusern liegen Wiesen, die wir in den vergangenen Stunden komplett mit Wasser getränkt haben.“
Der Kampf gegen die Flammenfront im Hohen Venn, der im Osten Belgiens liegt, bereitet den Einsatzkräften weiter große Mühe. Besonders zu schaffen mache ihnen der vergleichsweise starke und ständig drehende Wind, sagte der belgische Innenminister Bernard Quintin dem Sender RTL am Sonntagabend. Für die unterirdisch glimmenden Torfschichten im Hochmoor auf belgischem Gebiet prophezeite der Monschauer Feuerwehrsprecher: „Das wird eine wochenlange Aktion werden.“
Die Bundeswehr beteiligt sich nun ebenfalls an der Bekämpfung des Waldbrandes in Belgien. Dazu würden zwei Hubschrauber vom Typ NH-90 bereitgestellt, die Löschwasserbehälter tragen, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit. Am Sonntag kamen schon deutsche Einsatzkräfte aus der Region Aachen zu Hilfe, die ins belgische Küchelscheid ausrückten, einem Nachbarort von Monschau. Auch andere europäische Länder helfen.
Die zerklüftete Landschaft des Hohen Venn erschwert die Löscharbeiten, da es nur wenige Zufahrten gibt und ausgedehnte Torfmoore die Brandbekämpfung erschweren. Das Hochmoor gilt als ökologisch besonders wertvoll.
In Deutschland gibt es derzeit weitere Waldbrände. In Baden-Württemberg nahe Schramberg im Landkreis Rottweil hatte sich der Waldbrand in der Nacht deutlich ausgebreitet. Nun hat die Feuerwehr den großen Brand erfolgreich in den Griff bekommen. „Die beiden unzugänglichen Hotspots im Steilhang sind nun unter Kontrolle“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. „Das Feuer ist aber noch nicht aus.“
Insgesamt wird die betroffene Fläche auf 15 bis 20 Hektar geschätzt. Nach eigenen Angaben ist die Feuerwehr noch bis in die Abendstunden im Einsatz. Das Feuer war am späten Sonntagnachmittag ausgebrochen und hatte sich in der Nacht ausgebreitet.
Starke Niederschläge unterstützen die Feuerwehr dabei, den Brand einzudämmen. „Es regnet in Strömen und das hilft uns sehr weiter“, sagte André Wendel von der Feuerwehr Rottweil. Laut Feuerwehr sind 330 Männer und Frauen im Kampf gegen die Flammen im Einsatz. Sie werden von Landwirten unterstützt, die Löschwasser herantransportieren. Für die Bevölkerung besteht laut Feuerwehr auch weiterhin keine Gefahr.
Gute Nachrichten kommen aus Rheinland-Pfalz. Ein Waldbrand im Westerwald bedroht nicht mehr unmittelbar Wohngebäude. „Durch unsere Maßnahmen konnte eine Ausbreitung Richtung Bebauung verhindert werden“, sagte Björn Jestrimsky, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Altenkirchen.
Gebhardshain liegt etwa 60 Kilometer östlich von Bonn in einer waldreichen Mittelgebirgsregion in Rheinland-Pfalz an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen. Jestrimsky sprach jedoch auch davon, dass sich der Brand weiter in Richtung Wald ausbreite. „Wir haben uns gewisse Ziele gesetzt, wo wir das Feuer letzten Endes abfangen werden. Bis dahin lassen wir es derzeit kontrolliert brennen“, erläuterte der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur. Zuvor waren Anwohner einer Straße aufgefordert worden, ihre Häuser sofort zu verlassen. Von dieser ursprünglichen Evakuierung waren 20 Familien betroffen, wie eine Sprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung mitteilte.

Das Feuer hatte sich zunächst bis auf rund 20 Meter an die ersten Häuser heran gefressen. Rund 300 Einsatzkräfte kämpften gegen die Flammen. Auch Landwirte unterstützten mit Wasserfässern. Zwei Hubschrauber waren im Einsatz, ein Dritter wurde angefordert.
Derweil hat sich die Lage im nordrhein-westfälischen Hürtgenwald ebenfalls weiter entspannt. Der dortige Waldbrand sei unter Kontrolle, sagte Landrat Ralf Nolten (CDU).
Auch der Wald- und Flächenbrand im unterfränkischen Waldaschaff ist gelöscht. Am späten Sonntagabend meldete die Feuerwehr, dass der Einsatz zurückgefahren werde, da alle festgestellten Brandstellen und Glutnester gelöscht seien. Das Gebiet werde aber weiterhin kontrolliert. Seit Samstagnachmittag seien rund 1000 Einsatzkräfte beteiligt gewesen, hieß es. Teilweise habe man Brandnester, die tief im Boden lagen, mit Baggern freilegen müssen. Auch Hubschrauber waren im Einsatz.
Der Waldbrand bei Illingen im saarländischen Landkreis Neunkirchen ist unter Kontrolle. „Aktuell laufen weiterhin umfangreiche Nachlöscharbeiten im gesamten Einsatzgebiet“, erklärte der Pressesprecher der Feuerwehren Landkreis Neunkirchen, Andreas Kuhn. Am Morgen waren noch rund 380 Einsatzkräfte vor Ort. Während des Einsatzes waren neun Einsatzkräfte verletzt worden, drei von ihnen mussten vorsorglich ins Krankenhaus gebracht werden. Laut den jüngsten Angaben waren inzwischen rund 18 Hektar Wald und Wiesen betroffen.
Rund um die sächsische Stadt Plauen ist die Feuerwehr tagelang im Einsatz gewesen. Am Sonntag teilte die Stadt mit, die Lage habe sich „maßgeblich entspannt“. Mit Unterstützung von Drohnen löschten die Einsatzkräfte demnach in der Nacht noch einzelne Glutnester.
Neben Belgien und Deutschland brennt es auch in weiteren europäischen Ländern. Bei einem Brand auf der griechischen Insel Salamis sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Ihre Leichen wurden im Gebiet Peristeria gefunden. Die Identität der Toten war zunächst nicht bekannt, wie der griechische öffentlich-rechtliche Rundfunk ERT unter Berufung auf die Feuerwehr berichtete. Starke Winde erschwerten die Löscharbeiten erheblich. Für die Region im Raum Athen galt nach Angaben des Zivilschutzes eine sehr hohe Waldbrandgefahr.
Im slowakischen Nationalpark Große Fatra ist ebenfalls ein Waldbrand ausgebrochen. Die Flammen hätten sich auf eine Fläche von rund 3,5 Hektar ausgebreitet, berichtete die Agentur TASR unter Berufung auf die Feuerwehr. Die Nationalparkverwaltung rief Besucher über die sozialen Medien auf, den Bereich zwischen den Bergen Skalna Alpa und Smrekovica zu meiden. Im Einsatz waren Kräfte von Berufs- und freiwilligen Feuerwehren aus der weiteren Umgebung.


