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Waldbrände in den USA:Eine gigantische Katastrophe

Dass der Klimawandel das Hauptproblem für die vielen Feuer im Westen der USA ist, mag US-Präsident Trump nicht erkennen. Das von den Demokraten regierte Kalifornien war schon immer Ziel seiner Verachtung.

Von Hubert Wetzel, Washington

Kalifornien brennt. Oregon brennt. Washington State brennt. Entlang der gesamte Westküste der USA stehen Millionen Hektar Land in Flammen. Rauch und Asche verdüstern die Sonne und färben den Himmel orangerot, als habe die Erde sich in den Mars verwandelt. Häuser, Geschäfte, ganze Ortschaften werden vom Feuer verschluckt. Mindestens ein Dutzend Menschen sind bereits gestorben.

Wie gigantisch die Katastrophe ist, die Amerikas Westen derzeit heimsucht, lässt sich an zwei Statistiken ablesen: Sechs der 20 größten Waldbrände, die es in der jüngeren Geschichte Kaliforniens gegeben hat, haben dieses Jahr gewütet. Darunter ist das größte bisher registrierte Buschfeuer in dem Bundesstaat, das "August Complex"-Feuer, das mehr als 300 000 Hektar Land verbrannt hat. Und in Oregon wurden etwa 500 000 Menschen aufgefordert, von Feuer bedrohte Gegenden zu verlassen. Das sind mehr als zehn Prozent der etwa vier Millionen Einwohner des Bundestaates im Nordwesten der USA.

Experten sind sich relativ einig, was der wichtigste Grund für das Desaster ist: der Klimawandel. Die Erderwärmung hat an der US-Westküste, vor allem in Kalifornien, zu Dürren und Hitzewellen geführt, wie man sie bisher nicht gekannt hat. Die Vegetation ist deswegen trocken wie Zunder, in vielen Wäldern stehen Bäume, die wegen des Wassermangels abgestorben sind. Sie wirken wie Brandbeschleuniger.

Dann reichten ein Funke und ein Windstoß - und das Drama beginnt. Manchmal werden die Feuer durch Blitzeinschläge ausgelöst. Manchmal sind es Transformatoren, die wegen Überlastung explodieren, die für die Brände verantwortlich sind. Je heißer es ist, desto mehr Strom verbrauchen die Bewohner für ihre Klimaanlage, desto stärker wird das Stromnetz beansprucht - und desto höher ist die Gefahr, dass ein Trafo durchbrennt. Um dieses Risiko zu verkleinern, stellen die Elektrizitätswerke in Kalifornien jeden Tag zigtausenden Kunden vorsorglich den Strom ab.

Die Katastrophe im Westen der USA ist kaum noch beherrschbar

Und manchmal ist es pure menschliche Dummheit oder Zerstörungswut, die das Land in Flammen aufgehen lässt. So soll einer der Brände in Oregon absichtlich gelegt worden sein. Ein Feuer in Kalifornien wurde durch einen Feuerwerkskörper ausgelöst, der bei einer sogenannten "Gender Reveal Party" verwendet wurde. Bei solchen Feiern verraten Paare ihren Freunden und Angehörigen mit großem Getöse, welches Geschlecht ihr Baby haben wird. Diese Mal endete die Party mit einem ausgewachsenen Waldbrand.

Die schiere Anzahl an Bränden in diesem Jahr, die beispiellose Größe der brennenden Fläche und die Geschwindigkeit, mit der die Feuer über das Land rasen, machen die Katastrophe im Westen der USA kaum noch beherrschbar. Dutzende Menschen, die plötzlich von Feuerwänden eingekreist waren, mussten mit Hubschraubern gerettet werden. Die Feuerwehr-Crews der Bundesstaaten sind völlig überlastet, sie haben Hilfe aus Nachbarstaaten angefordert. Kalifornien bat sogar Israel um Unterstützung.

Die US-Bundesregierung hingegen scheint sich mit der Hilfe Zeit lassen zu wollen. Das war schon während der dramatischsten Wochen der Corona-Pandemie ähnlich: Weil die am schwersten betroffenen Bundesstaaten von den Demokraten regiert werden, zeigt der republikanische Präsident Donald Trump kein besonderes Interesse daran, ihnen beizustehen. Die linksliberale Hochburg Kalifornien - Heimatstaat der Demokratenführerin im Abgeordnetenhaus, Nancy Pelosi, sowie der demokratischen Vizekandidatin Kamala Harris - ist ohnehin ein beliebtes Ziel für Trumps Zorn und Verachtung. Und um den Klimawandel und dessen dramatische Folgen hat der Präsident sich noch nie gekümmert.

© SZ/zip/jael

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