Waldbrände in Russland Angst um die Ernte

Russland kämpft vergeblich gegen das Feuer: Täglich entstehen hunderte neue Brandherde und bedrohen jetzt auch die Ernte. Die Ausfuhr von Weizen wird erst einmal gestoppt.

Von Frank Nienhuysen, Moskau

Russland stoppt wegen der andauernden Hitze und der verheerenden Waldbrände die Ausfuhr von Weizen. Das Exportverbot soll vom 15. August an gelten und bis Ende Dezember dauern.

Brennende Weizenfelder etwa 500 Kilometer von Moskau entfernt. Russland stoppt nun die Ausfuhr des Getreides.

(Foto: AP)

"Angesichts der außergewöhnlich hohen Temperaturen und Trockenheit halte ich ein Embargo für gerechtfertigt", sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Wladimir Putin am Donnerstag. Der Regierungschef kündigte für die eigene Landwirtschaft zudem Subventionen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro sowie Darlehen an.

Schwache Ernte befürchtet

Russland ist einer der größten Weizenexporteure der Welt, doch die beispiellose Hitzewelle ließ zahlreiche Felder vertrocknen. Moskau erwartet für dieses Jahr nur noch einen Ernteumfang von 70 Millionen Tonnen; 2009 waren es noch fast hundert Millionen.

In den Waldgebieten Russlands ging derweil der Kampf gegen die Brände weiter. Nach Angaben des Katastrophenschutz-Ministeriums wurden zwar innerhalb eines Tages etwa 250 Brände gelöscht, dafür entstanden an anderer Stelle 370 neue Herde.

In den Gebieten Nischnij Nowgorod und Rjasan wurden zusätzliche Hilfskräfte eingesetzt, auch in die Ural-Region wurden weitere Helfer geschickt.

Inzwischen beteiligten sich auch Italien, die Ukraine, Weißrussland, Armenien und Aserbaidschan an den Löscharbeiten bei der schwersten Brandkatastrophe in Russland der vergangenen Jahrzehnte.

In Deutschland wartete man noch auf konkrete Anfragen aus Russland, nachdem Kanzlerin Angela Merkel dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew am Mittwoch in einem Telefonat Hilfe angeboten hatte. Die Zahl der Toten ist unterdessen auf 50 gestiegen.

Lage um Atomforschungszentrum entspannt sich

Die Lage rund um das Atomforschungszentrum in Sarow, wo die Flammen bedrohlich nahe gekommen waren, entspannte sich dagegen. Mitarbeiter brachten alle nuklearen Materialien in Sicherheit, den Rettungskräften gelang es zudem, das Feuer von der Anlage fernzuhalten.

Hingegen war von den Bränden in der Moskauer Region offenbar auch ein Verbindungszentrum des russischen Generalstabs betroffen. Das Verteidigungsministerium widersprach zwar einem entsprechenden Bericht von Life News. Allerdings hatte der Internetdienst zuvor auch als Erstes von dem Brand in einem Nachschubzentrum berichtet. Präsident Medwedjew entließ daraufhin mehrere Offiziere, die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.

Wie wenig es noch braucht für ein Feuer, wie entflammbar vieles ist, zeigte sich am Donnerstag auch im Moskauer Stadtgebiet. Auf dem Gelände einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert brannte ein hölzernes Gebäude, im Süden der Stadt war es eine Druckerei, die später gelöscht wurde, im Osten musste ein zehnstöckiges Hochhaus evakuiert werden, weil drei Etagen in Flammen standen.

Der Smog in der Hauptstadt verzog sich zwar zunächst, aber die Warnung der Ärzte galt noch immer angesichts der hohen Konzentration an Schadstoffen. Wer könne, solle Moskau besser verlassen. Für Freitag wurden Temperaturen bis zu 40 Grad erwartet.

Waldbrände in Russland

Feuer der Vernichtung