OstseeGestrandeter Wal schwimmt sich frei

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Der Buckelwal vor der Insel Poel schwimmt vor dem Hafen Kirchdorf und wird von Helfern in Schlauchbooten begleitet. Die Helfer sollen dem Wal die Richtung zum offenen Meer zeigen.
Der Buckelwal vor der Insel Poel schwimmt vor dem Hafen Kirchdorf und wird von Helfern in Schlauchbooten begleitet. Die Helfer sollen dem Wal die Richtung zum offenen Meer zeigen. Jens Büttner/dpa

Nun soll „Plan B“ der Helfer greifen: Mit DLRG-Booten wollen sie den Wal in die Nordsee und dann in den Atlantik leiten. Nach einigen Kilometern verharrt der Wal aber wieder auf der Stelle.

Der an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns gestrandete Buckelwal hat am Montagmorgen damit begonnen wegzuschwimmen. Dies war auf Livestreams im Internet zu erkennen. Die Möglichkeit, dass sich der Wal selbst freischwimmt, hatten Helfer im Vorfeld nicht ausgeschlossen. Für diesen Fall gab es einen „Plan B“: DLRG-Boote seien auf Stand-by, um den Wal dann ins offene Meer geleiten zu können. Die Boote seien nun unterwegs, sagte die leitende Tierärztin der privaten Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, der Nachrichtenagentur dpa am Morgen. Der Wal wechselt jedoch immer wieder die Richtung, was die Aktion erschwert. Er hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigener Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt.

Nach zwei Stunden verharrt der Wal nun aber wieder auf einer Stelle. Auf Livestreams ist zu sehen, wie das Tier nahe bei Fahrwassertonnen zu liegen scheint. Die Begleitboote, die ihn zuvor Richtung offene Ostsee getrieben hatten, hielten zumeist Abstand. Das Schweriner Umweltministerium nimmt an, der Wal sei nicht erneut gestrandet. Helfer auf den Booten gingen davon aus, dass sich das Tier frei bewegen könne, sagte eine Ministeriumssprecherin. Allerdings lasse man dem Tier aktuell eine Pause. Es habe am Morgen schätzungsweise drei bis fünf Kilometer zurückgelegt.

Nun soll der Wal dazu gebracht werden, sich wieder weiterzubewegen. Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die den privaten Rettungsversuch mitfinanziert, bestätigte, dass das Tier demnächst wieder mobilisiert werden soll. Man werde eine „sehr ruhige Aktion“ ausführen, die „hoffentlich zum Erfolg führt“. Es sei ein Nadelöhr, durch das der Wal durchmüsse.

Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, seines Wissens sei auch der Ausgang des Kirchsees teils sehr flach. Der Wal müsste demnach einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen. Das Fahrwasser sei etwa zweieinhalb bis drei Meter tief. Ansonsten sei die Bucht etwa zwischen 90 Zentimeter und 1,10 Meter tief. Deutlich tiefer ist seinen Angaben zufolge das Fahrwasser der sich anschließenden Wismarbucht. Dieses sei mindestens mehr als neun Meter tief. Durch die Wismarbucht müsste der Wal schwimmen, um ins offene Meer zu gelangen.

Greenpeace spricht von hoher Stressbelastung für das Tier

Nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace bedeutet die aktuelle Situation für den Buckelwal vor Poel eine hohe Belastung. „Das ist natürlich ein Megastress für das Tier“, sagte ein Organisationssprecher. Der Wal habe die letzten Jahre ohne Kontakt zu Menschen verbracht, nun gebe es ständig Aktivitäten. Das Tier müsse sich erst einmal von den vergangenen Tagen erholen und sei nun Motorenlärm von den Booten ausgesetzt. „Der Stress für das Tier ist enorm.“

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Doch Expertinnen und Experten kritisieren die privat organisierte Aktion. Das in der Ostsee gestrandete Tier sei nicht mehr zu retten.

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Zuvor war der Fortgang des bislang geplanten Versuchs zur Rettung des Buckelwals offen. Der Wal hatte sich laut Wasserschutzpolizei Wismar über Nacht zwar etwas bewegt, lag demnach aber nach wie vor an der etwa gleichen Stelle. Während Vertreter der privaten Rettungsinitiative vor Ort sich zuletzt auf sehr gutem Weg und im Zeitplan sahen – gleichwohl aber auch auf einen Plan B hinwiesen –, äußerte sich einer der Geldgeber der Aktion pessimistisch.

Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag, der Wasserstand sei gestiegen, was ein geplantes Anbringen der Pontons und ein Begleiten des Wals unmöglich mache. „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt“, sagte er. „Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.“ Das sei eine ganz andere Situation. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, „ob sich dieser Wal noch geleiten lässt“. Das lang erdachte Konzept sei so nicht durchzusetzen. „Jetzt sind wir quasi irgendwo Stunde null.“ Zudem war befürchtet worden, dass auch der auffrischende Wind die Rettungsaktion erschweren könnte.

Der Wal sollte mit einer Plane in die Nordsee gezogen werden

Der ursprüngliche Plan sah vor, eine Plane unter den vor der Insel Poel festsitzenden Wal zu ziehen und diese an Pontons zu befestigen, die wiederum von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. So sollte das Tier in die Nordsee und möglichst sogar bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit Donnerstag. Die Plane ist nach Behördenangaben bereits im Wasser, der Wal kann sie demnach sehen. Am Sonntag wurde zudem eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung Wal hergestellt, indem Schlick weggesaugt wurde.

Ein Arbeitsponton mit einem speziellen Bagger und kleinere Begleitboote waren am Sonntag in der Nähe des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Einsatz.
Ein Arbeitsponton mit einem speziellen Bagger und kleinere Begleitboote waren am Sonntag in der Nähe des gestrandeten Buckelwals vor der Insel Poel im Einsatz. Stefan Sauer/dpa

Seit Anfang März war der Wal immer wieder an der Ostseeküste aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck (Kreis Nordwestmecklenburg). Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation „Sea Shepherd“ hatten es von einem Teil des Materials befreit. Vor Poel hatte er sich zum dritten Mal festgesetzt.

Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 21 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.

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