Buckelwal in der OstseeWalretter enttäuscht: „Stunde null“

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Ein Bagger bereitet am Samstag die Fahrrinne für den Schlepper und die Rettungskonstruktion vor, mit der der Wal ins offene Meer geschleppt werden soll.
Ein Bagger bereitet am Samstag die Fahrrinne für den Schlepper und die Rettungskonstruktion vor, mit der der Wal ins offene Meer geschleppt werden soll. Bernd Wüstneck/dpa

Die private Rettungsaktion für den gestrandeten Buckelwal geht laut den Initiatoren zunächst gut voran. Dann kommt der steigende Wasserspiegel in die Quere.

Die private Rettungsaktion für den in der Ostsee gestrandeten Wal hat am Sonntag zunächst nicht zum Erfolg geführt. Es ist unklar, wie lange sie sich noch ziehen wird, für den Sonntag ist sie vorerst gestoppt. Der Wasserstand sei gestiegen, was ein Anbringen der Pontons und ein Begleiten des Wals wie geplant unmöglich mache, sagte Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, der die Aktion zusammen mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert finanziert, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Wasserstand soll in der Nacht um bis zu 70 Zentimeter steigen. Der Wal hatte sich in der Vergangenheit schon mal aus eigener Kraft freischwimmen können, sich dann aber wieder festgesetzt.

Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren am Sonntag DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort sind. Die Boote stehen auch für einen möglichen Plan B bereit, sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden bei der Pressekonferenz in Kirchdorf. Sie seien auf Stand-by, „dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können.“

Am Vormittag lag der Wal weitgehend bewegungslos in der Bucht, in der das Wasser in seiner Nähe etwa brusthoch ist. Am frühen Morgen war er ein wenig aktiver und bewegte seine Schwanzflosse so, dass sie außerhalb des Wassers zu sehen war. Wegen dieser Aktivität und weil der Wasserstand in den kommenden Stunden um 50 bis 60 Zentimeter steigen könne, habe man den Plan B aktiviert.

Gunz wiederum sieht den derzeit laufenden Rettungsversuch vor Poel wieder bei Stunde null. „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt“, sagte er. „Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.“ Das sei eine ganz andere Situation. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, „ob sich dieser Wal noch geleiten lässt“. Das lang erdachte Konzept sei so nicht durchzusetzen. Jetzt sei man quasi irgendwo bei „Stunde null“.

Der Plan sah vor, eine Plane unter den Wal zu ziehen und diese an Pontons zu befestigen, die wiederum von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. So sollte das Tier in die Nordsee und möglichst sogar bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen dafür laufen seit Donnerstag.

Gunz beklagt Verzögerungen

Gunz beklagte zugleich Verzögerungen durch Bürokratie, „die uns eineinhalb bis zwei Tage zurückgeworfen haben“. „Jetzt brauchen wir ein Wunder“, sagte er. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wies in einem Statement auf Poel am Sonntag Verzögerungen seitens der Behörden zurück.

Zunächst zeigte sich das Rettungsteam am Sonntag zuversichtlich: „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte eine Sprecherin. „Wir haben die Saugarbeiten so weit vorangebracht, dass wir immer näher an den Wal herankommen.“

Auch zum Zustand des Tieres äußerten sie sich optimistisch. „Er atmet deutlich tiefer ein. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte die Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären sei sie bei dem Wal gewesen.

Wissenschaftler, Fachleute von Behörden sowie Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen waren sich nach umfassender Prüfung zuletzt einig, dass der Wal Ruhe brauche und weitere Eingriffe dem Tier massive Schäden zufügen würden. Der Buckelwal sei orientierungslos und so schwach und geschädigt, dass er die Heimreise in den Atlantik nicht schaffen werde.

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SZ PlusVon Hanno Charisius

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