Vulkane:Island erlebt dritten Vulkanausbruch seit Dezember

Vulkane
Nach einem erneuten Vulkanausbruch fließt Lava über die Hauptstraße nach Grindavík. Foto: Marco Di Marco/AP/dpa (Foto: dpa)

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Reykjavik (dpa) - Auf Island ist es zum dritten Mal innerhalb von nur acht Wochen zu einem spektakulären Vulkanausbruch gekommen. Am Donnerstagmorgen tat sich nördlich des Küstenortes Grindavík ein schätzungsweise drei Kilometer langer Erdriss auf, aus dem im Anschluss glutrote Lava sprudelte.

Nach Angaben der Wetterbehörde Vedurstofa erreichten die Lavafontänen nordöstlich des Berges Sylingarfell eine Höhe von rund 50 bis 80 Metern. Die Dampfwolke stieg demnach sogar bis in eine Höhe von rund drei Kilometern auf. Rund um den Riss bildete sich schnell ein Lavafeld, wie in Livestreams des isländischen Rundfunksenders RÚV zu sehen war. 

Wie lange der Ausbruch diesmal anhält, ließ sich noch nicht abschätzen. Experten rechneten aber damit, dass er sich bereits innerhalb von wenigen Tagen wieder legen könnte.

Die Wetterbehörde hatte in den vergangenen Tagen eine erneute Ansammlung von mehreren Millionen Kubikmetern Magma unterhalb des Vulkangebietes auf der Reykjanes-Halbinsel verzeichnet und deshalb davor gewarnt, dass die Wahrscheinlichkeit einer zeitnahen erneuten Eruption gestiegen sei. Kurz vor dem Ausbruch kündigte er sich am frühen Donnerstagmorgen dann mit einem erneuten Erdbebenschwarm an.

Warmwasserversorgung durch Vulkanausbruch unterbrochen

Der erneute Vulkanausbruch hat die Warmwasserversorgung in dem betroffenen Gebiet gekappt. Die isländischen Behörden riefen daher die Notstandsstufe für die Region auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik aus. Die Warmwasserleitung sei kaputt, was einen Mangel an heißem Wasser in der Region Sudurnes verursacht habe, teilte die Zivilschutz- und Polizeibehörde am Nachmittag mit. Sie rief die Bewohner und Unternehmen auf der Halbinsel zum Strom- und Wassersparen auf. Der nahegelegene Flughafen Keflavík - Islands internationaler Flughafen - stand ohne warmes Wasser da. 

Der sechste Ausbruch seit 2021

Es ist der sechste Ausbruch dieser Art auf der Halbinsel südwestlich von Reykjavik seit 2021 und dabei der dritte allein seit Mitte Dezember. Bei der jüngsten Eruption Mitte Januar hatte die Lava auch die Ausläufer des zuvor evakuierten Ortes Grindavík erreicht und dort drei Häuser zerstört - es war das erste Mal seit einem halben Jahrhundert, dass bei einem Ausbruch auf der Nordatlantik-Insel Behausungen von Lavamassen zerstört worden waren.

Nun scheint die Lage des Ausbruchsortes günstiger zu sein: Der Erdspalt liegt nach Angaben von Kristín Jónsdóttir von der Wetterbehörde nördlich eines Punktes, der den Lavafluss wesentlich bestimmt. Das bedeute, dass die Lava nach Osten, Westen und Norden strömen werde, es aber weniger wahrscheinlich sei, dass sie südlich in Richtung Grindavík fließen werde, sagte sie im isländischen Rundfunk. 

Eine unmittelbare Gefahr für Grindavík, ein Kraftwerk oder andere Infrastruktur in dem Gebiet bestand also zunächst nicht. Auch die Betreiber des Geothermalbades Blaue Lagune, das bei vielen Touristen zu den Highlights einer Reise nach Island zählt, teilte mit: "Der aktuelle Ausbruchsort liegt in sicherer Distanz zur Blauen Lagune." Dennoch wurde der Betrieb des Bades mit seinem weiß-blauen Wasser am Donnerstag vorübergehend eingestellt.

Die Eruptionen der vergangenen Jahre sehen nicht so aus, wie man sich einen klassischen Vulkanausbruch vorstellt: Die Lava sprudelt nicht aus einem Vulkanberg in die Höhe, sondern strömt aus einem länglichen Riss in der Erde hervor, weshalb man diese Art von Ausbrüchen auch als Spalteneruption bezeichnet. 

Auch wenn sich Islands internationaler Flughafen Keflavík ganz in der Nähe des Ausbruchsortes befindet, haben solche Eruptionen keine Auswirkungen auf den Flugverkehr: Anders als beim Ausbruch des Vulkangletschers Eyjafjallajökull im Jahr 2010 entsteht dabei keine große Aschewolke - mit einer solchen kilometerhohen Wolke hatte der Eyjafjallajökull damals tagelang den internationalen Flugverkehr lahmgelegt. Der Flughafen Keflavik teilte nun mit, ebenso wie die Regionalflughäfen auf Island nicht von der Eruption betroffen und stattdessen in vollem Betrieb zu sein.

© dpa-infocom, dpa:240208-99-917015/4

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