Vulkanausbruch in Japan:Tödlicher Ascheregen

Vulkanausbruch in Japan: Einsatzkräfte versuchen am Ontake, Menschen aus der Asche zu retten.

Einsatzkräfte versuchen am Ontake, Menschen aus der Asche zu retten.

(Foto: AFP)

Ohne vorherige Warnzeichen bricht der Vulkan Ontake in Japan aus - mindestens 31 Menschen sterben. Die Rettungsarbeiten müssen wegen giftiger Gase abgebrochen werden.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Plötzlich habe ihn ein heißer, ätzender Wind überfallen, Steine flogen ihm entgegen, erzählt ein Bergwanderer im japanischen Fernsehen. Der 60-Jährige war am Samstag am Ontake unterwegs, dem zweithöchsten Vulkan Japans, als dieser am Mittag ausbrach. Der Ontake, der bis vor 34 Jahren als inaktiv galt, weil man keine historischen Belege für Eruptionen kennt, ist seit Oktober 1979 mehrmals ausgebrochen, zuletzt 2007.

Am Samstag stieß er eine drei Kilometer hohe Rauchsäule aus, die Eruption setzte sich abgeschwächt am Sonntag fort. Der Berg hatte keinerlei Warnzeichen gegeben, seismische Aktivitäten zum Beispiel, die auf den bevorstehenden Ausbruch hindeuteten. Die Regierung in Tokio mobilisierte schon am Samstagnachmittag die Armee, 550 Polizisten und Soldaten waren mit mehreren Hubschraubern im Einsatz. Sie flogen auch am Sonntag noch Überlebende ins Tal, 31 Menschen konnten sie jedoch nur tot bergen.

Am späten Sonntagnachmittag mussten sie die Rettung wegen giftiger Gase abbrechen. Unklar ist, wie viele Leute noch vermisst werden. Japan zählt 108 aktive Vulkane, kleinere Ausbrüche ereignen sich regelmäßig. Doch seit 1991 gab es, soweit bekannt, nie Tote in der Folge von Vulkanausbrüchen. Die Eruption des Ontake löste auch wieder eine Diskussion aus, wie sicher Japans AKWs gegen Vulkane geschützt seien.

Lavatrümmer und eine Schicht aus Asche

Viele Japaner sind begeisterte Berggänger; Ende September ist eine ideale Zeit für alpines Wandern. Der 3067 Meter hohe Ontake 200 Kilometer westlich von Tokio, für die Shinto-Religion ein heiliger Berg, erfordert keine Klettereien, bloß eine ordentliche Kondition. Der Aufstieg ist gut markiert und gesäumt von Shinto-Schreinen, die Gipfelplattform sogar betoniert. Die Polizei schätzt, dass sich mehrere hundert Wanderer an diesem sonnigen Herbsttag in der Nähe des Gipfels aufhielten, auch Kinder. Die meisten konnten ohne Hilfe selbständig ins Tal fliehen.

Er sei niedergekauert, das Gesicht gegen den Boden, und habe mit beiden Händen Mund und Nase abgedeckt, um überhaupt noch atmen zu können, erzählte der 60-jährige Überlebende dem Privatsender Fuji News. Der Ascheregen sei auf seinen Rücken geprasselt. Sein Gesicht hat er notdürftig gewaschen, aber sein Nacken und sein Hemd sind noch immer weiß vom Aschestaub.

Hubschrauberaufnahmen vom Sonntag zeigen die Gipfelgegend überzogen mit weißlicher Asche, wie nach dem ersten Schnee. Lavatrümmer haben das Dach einer Hütte durchschlagen, in einer anderen konnte man die Tür nicht mehr öffnen, so hoch lag die Asche davor. Etwa vierzig Menschen, manche von ihnen schwer verletzt, mussten in der Nacht auf Sonntag in Berghütten ausharren, um auf Rettung zu warten. 31 Menschen konnten nur tot geborgen werden. Die Retter fanden sie leblos, es wird vermutet, dass Gase aus dem Vulkan sie vergifteten.

© SZ vom 29.09.2014/fran
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