Vornamen Namedropping

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Yipsi, Mütemenna, Peperel, Tre oder Unicorn - 2015 wurden über tausend neue Einträge in Deutschlands Namenregister verzeichnet. Von ungewöhnlich bis normal: ein Überblick.

Von Martin Zips

Zum Beispiel Yipsi. Yipsi, das ist ein weiblicher Vorname aus Kuba - bekannt geworden durch die kubanische Hammerwerferin Yipsi Moreno González. Der Name ist eine Form des englischen "gipsy" in der Bedeutung von "Wanderer", spielt aber auch auf Blumennamen wie "Gipsy-Rose" an.

Oder Mütemenna. Mütemenna ist ein türkischer Name, der eine weibliche Bildung zum arabischen männlichen Namen Mutamin darstellt. Man denke nur an den Emir von Saragossa, Yusuf Al-Mutamin, im 11. Jahrhundert. Der Name erscheint im Koran in der Bedeutung "jemand, der seine Angelegenheit den Händen eines anderen anvertraut".

Yipsi und Mütemenna wurden als Namen in Deutschland erstmals im Jahr 2015 zugelassen. Hierzulande gilt ja freie Namenswahl, theoretisch. Taucht ein Vorname aber bisher nicht in den Büchern der Standesämter auf, so kommt Gabriele Rodríguez ins Spiel. Frau Rodríguez, die seit 22 Jahren in der Namen-Beratungsstelle der Universität Leipzig arbeitet, analysiert Herkunft und Bedeutung des Vornamens und schreibt eine Empfehlung an die Behörden. Hauptkriterium ist dabei immer die Frage, ob der gewählte Name das Kind lächerlich machen könnte - oder nicht. Bei Yipsi und Mütemenna war das nicht der Fall - also wurden sie eingetragen. Ähnliches gilt für Peperel, eine weibliche Form von pepper (englisch: "Pfeffer"), Tre (eine weibliche Soranî-kurdische Namensform: "Weintraube") oder Unicorn (geht auf das lateinische ūnĭ-cŏrnĭs zurück: "Einhorn", Symbol der Keuschheit). Sie alle gehören zu den erstmals im Jahr 2015 zugelassenen Vornamen.

Weit mehr als 30 000 Vornamen sind in Deutschlands Namensregistern eingetragen - und jeder fünfte hat ausländische Wurzeln. Derzeit gibt es einen regelrechten Boom bei neuen Vornamen: Mehr als tausend kommen Jahr für Jahr hinzu. Für die Süddeutsche Zeitung haben Gabriele Rodríguez und ihr Team die bei mehr als 300 deutschen Standesämtern gesammelten "Premieren" erstmals in einer eigenen Liste zusammengestellt - wir zeigen sie auf dieser Seite.

"Die ungeheure Vielfalt erklärt sich nicht nur durch die große kulturelle Vielfalt in unserem Land, sondern auch durch eine heute sehr große Offenheit der Behörden gegenüber neuen Namen", erklärt die Namensforscherin. "Vor 20 Jahren waren die Zulassungsregeln noch viel strenger."

Und so kommt es, dass Bewohner von Mittelerde (Aragorn, Arwen) im Kindergarten plötzlich neben männlichen wie weiblichen Lucas oder Kirans spielen und Ehigiator mit Rukola. Ein Trend bei binationalen Familien, so Rodríguez, sei die Vergabe von gleich zwei Vornamen für ein Kind - der eine stehe für Ferne, der andere funktioniere auch auf Deutsch: Joyce-Ingrid zum Beispiel.

Besonders begeistern kann sich die Forscherin für all jene Namen, "die nicht deshalb ausgewählt wurden, weil sie schön klingen, sondern weil sie eine ganz besondere Bedeutung haben". So steht das chinesische -bo für "Kostbarkeit", -mai bedeutet "Schönheit" und die Silbe -long verweist auf eine Geburt im "Jahr des Drachen". Und ähnlich wie die Silbe -el in hierzulande üblichen Namen wie Gabriel oder Manuel auf Göttliches verweist, tun dies auch all jene afrikanischen Namen, die auf -chukwu oder -chi enden. "Vieles, was erst einmal exotisch klingt", sagt Rodríguez, "ist also eigentlich ganz vertraut."