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Beliebte Baby-Vornamen:Jung, männlich, sportlich

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Matteo ist vor allem im Osten beliebt - wie früher Enrico oder Ricardo.

(Foto: imago images/Cavan Images)

Überraschend viele Kinder wurden im vergangenen Jahr Matteo genannt. Der Erfolg des Namens könnte aber nur von kurzer Dauer sein.

Von Kerstin Lottritz

Chenekwahow, Tecumseh, Migiskau, Kioma, Ernesto, Inti, Prithibi, Pathar, Chajara, Majim, Henriko und Alessandro - das ist nicht die Liste der außergewöhnlichsten Vornamen in Deutschland. Die zwölf Namen wollte eine Mutter im Jahr 2004 wirklich ihrem Sohn geben, und zwar mit Hilfe des Bundesverfassungsgerichts. Dem zuständigen Standesamt waren das aber dann doch zu viele und die Namen noch dazu zu unbekannt. Das Ende der Geschichte: Mit ihrer Verfassungsbeschwerde kam die Mutter nicht durch, der Sohn erhielt nur die ersten fünf der ihm zugedachten Namen.

Dabei sind außergewöhnliche Vornamen gar nicht selten. Von den mehr als 770 000 Kindern, die im vergangenen Jahr geboren wurden, trügen mehr als 60 Prozent einen Vornamen, der nur ein Mal in ihrem Geburtsjahrgang vergeben worden sei, sagt Gabriele Rodríguez, die als Fachberaterin bei der Namensberatungsstelle an der Universität Leipzig arbeitet. In jedem Jahr würden mehr als 1000 Namen überhaupt das erste Mal bei einem Standesamt eingetragen.

Emilia und Noah sehr beliebt

Trends und Vorlieben bei der Namensgebung lassen sich so natürlich nicht ablesen. Dabei helfen schon eher die Listen der beliebtesten Vornamen, die die Gesellschaft für deutsche Sprache jetzt wieder veröffentlicht hat. Emilia, Hanna(h) und Emma haben bei den Mädchen gewonnen, bei den Jungen belegen die Spitzenpositionen Noah, Leon und Paul. Obwohl sie die Liste der beliebtesten Namen anführen, ist der Anteil unter den vergebenen Namen im vergangenen Jahr relativ gering: Nur 1,54 Prozent der Mädchen wurden Emilia und nur 1,43 Prozent der Jungen Noah genannt.

Den meisten Eltern ist ein Wunsch gemein: Sie wollen ihrem Kind einen einzigartigen Namen geben - der soll dann aber möglichst positiv ankommen. Die Auswertung der Bestenlisten der vergangenen Jahre zeigt dabei ein einfaches Rezept: Zwei Silben und ziemlich viele Vokale sorgen für Wohlklang. Bei den Eltern sei das nach wie vor ausschlaggebend, sagt Namensberaterin Rodríguez. Kristallisiert sich ein beliebter Name heraus, werden schnell Varianten gebildet. Man will ja trotzdem individuell bleiben.

Und deshalb wundert es Rodríguez auch nicht, dass es in diesem Jahr doch mal eine kleine Überraschung bei den beliebtesten Babynamen gibt: Matteo (in vier verschiedenen Schreibweisen, mal mit nur einem t, aber wahlweise noch mit einem h) hat es von Platz 13 auf Platz vier geschafft. Ein nahezu gigantischer Sprung in der Bestenliste! Matteo kommt vor allem im Osten Deutschlands gut an. "Gerade in Thüringen haben Namen, die auf o enden, eine lange Tradition", erklärt Rodríguez, Ricardo und Enrico waren hier früher ebenfalls sehr beliebt. Auch das ähnliche Klangmuster zum Namen Theo (Platz 15) habe sicherlich zum Erfolg beigetragen.

Das zugehörige Onogramm, das Wahrnehmungsprofil einzelner Namen, das die Uni Leipzig in einer Langzeitstudie erstellt, bescheinigt den Mat(t)(h)eos in Deutschland, unter anderem jung, männlich, sportlich und modern zu sein. Aber Vorsicht! Trotz des Wohlklangs stößt der ursprünglich italienische Name in Internetforen, in denen künftige Eltern die Namen ihres Nachwuchses diskutieren, auf Vorbehalte. Sogar einen Vergleich mit dem einst beliebten Kevin muss er sich gefallen lassen. "Der Name ist nicht so traditionell, schon eher speziell", sagt auch Rodríguez. Sie vermutet daher, dass der Erfolg von Matteo nicht lange anhalten werde.

© SZ/moge
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