Vor Gericht Riesiges Netzwerk für Pädophile

Um Mitglied bei der kinderpornografischen Plattform zu werden, mussten die Nutzer nur einen Nutzernamen und ein Passwort festgelegen.

(Foto: dpa)

Bei Elysium ist es zum ersten Mal gelungen, einen Kinderpornografie-Ring in Deutschland zu zerschlagen. Eine Fall-Übersicht.

Von Melanie Raidl und Marie Schiller

In der griechischen Mythologie ist "Elysium" ein "Ort der Seligen" für antike Helden, die Außerordentliches geleistet haben - in den Jahren 2016 und 2017 aber war "Elysium" die Hölle für kleine Mädchen und Jungen. Im von seinen Machern so benannten Darknetportal wurden Tausende Fotos und Videos von sexuellen Übergriffen an Kindern verbreitet. Ein Netzwerk für Pädophile. Von heute an wird den vier Hauptangeklagten der Prozess am Landgericht Limburg gemacht. Aber wer genau sind die Täter? Was war "Elysium" und was ist seit der Zerschlagung des Portals im vergangenen Jahr passiert?

Die Plattform

"Elysium" nahm Ende 2016 in Deutschland seinen Ursprung. Es war eine Plattform für den Tausch kinderpornografischer Bilder und Videos, aufgebaut im Darknet. Das Darknet wird als verborgener Internetbereich verstanden, der sich nur mittels eines speziellen Browsers finden lässt. Man kann es als virtuellen Untergrund verstehen, der häufig von Kriminellen für illegale Handlungen genutzt wird, gerade in repressiven Regimen aber auch Aktivisten und Journalisten zum Informationsaustausch dient. "Die "Elysium"-Plattform war nicht wie die typischen Kinderpornografie-Seiten im Darknet aufgebaut", sagt Georg Ungefuk, Generalstaatsanwalt in Frankfurt, der die Ermittlungen geführt hat. "Jedermann konnte sich mit einem Nutzernamen und Passwort einloggen und musste keine Beweise für die Zugehörigkeit liefern", so der Experte.

"Elysium" war außerdem auf eine internationale Community ausgelegt, es gab mehrere Chat-Bereiche in sechs verschiedenen Sprachen. "Deshalb hatte die Community in der kurzen Zeit, in der sie online war, auch so einen rasanten Anstieg an Mitgliedern", sagt Ungefuk. Die Plattform wurde im Frühjahr 2017 von Kriminalbeamten ausgehoben, zu der Zeit hatte sie bereits 111 000 Mitglieder. Wie viele Plattformen im Darknet war auch "Elysium" hierarchisch aufgebaut: Es gab mehrere Betreiber, Chat- und Foren-Administratoren, Grafiker und Mitarbeiter für die Sicherheit gegen außen. Die Mitglieder verabredeten sich auch zu realen Treffen und boten ihre eigenen Kinder zum Missbrauch an. Die einen filmten die Videos, die dann von anderen weitergesendet wurden. Man erhielt nur neues Material, wenn man selbst welches verbreitete.

Kriminalität Väter boten eigene Kinder zum sexuellen Missbrauch an
Kriminalität

Väter boten eigene Kinder zum sexuellen Missbrauch an

Neue Details über die zerschlagene Kinderporno-Plattform "Elysium" ermöglichen erschreckende Einblicke. Die Vergewaltiger saßen vor allem in Österreich, die Vermarkter in Deutschland.   Von Ronen Steinke

Die Verdächtigen

Verantwortlich für die Darknet-Plattform sind der Staatsanwaltschaft zufolge vier Männer aus Deutschland. Ein 40-jähriger Hesse soll den Server betrieben und die Technik gestellt haben. Er ist der Hauptangeklagte. Programmiert und eingerichtet worden sein soll die Plattform von einem 58-Jährigen aus Baden-Württemberg. Er soll schon ein wichtiges Mitglied bei der Vorgängerplattform "The Giftbox Exchange" gewesen sein. Diese internationale Kinderporno-Website war von 2015 bis 2016 aktiv. Mittlerweile sind zwei amerikanische Täter in den USA zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden.

Wie in gewöhnlichen Chatforen auch, gab es auch bei "Elysium" einen Administrator und einen Moderator. Diese Aufgaben sollen ein 47-Jähriger aus Baden-Württemberg und ein 62-Jähriger aus Bayern übernommen haben.

Das Verbrechen

Allen vier Angeklagten wird vorgeworfen, bandenmäßig Kinderpornografie verbreitet zu haben. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt wirft dem 40-jährigen Hessen und dem 58-Jährigen aus dem Landkreis Tübingen vor, die Plattform aufgebaut und betrieben zu haben. Es besteht außerdem der Verdacht, dass der Mann aus dem bayerischen Landkreis Landsberg am Lech Kinder schwer sexuell missbraucht haben soll.