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Hildesheim:Pädagogen-Ehepaar wegen Missbrauchs verurteilt

Missbrauchsprozess gegen Pädagogen-Ehepaar

Das nun verurteilte Ehepaar bei der Gerichtsverhandlung

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Das Paar leitete eine Einrichtung für hilfebedürftige Kinder und hat diese sexuell missbraucht. Ein Kind soll der Mann in einen Hundekäfig gesperrt haben.

Das Landgericht Hildesheim hat am Donnerstag ein Pädagogen-Ehepaar wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Haft- und einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der 57-jährige Ehemann habe sich in einer diakonischen Einrichtung in Gifhorn, die er gemeinsam mit seiner Frau leitete, des Missbrauchs in zwei Fällen sowie der Misshandlung einer Schutzbefohlenen in einem Fall schuldig gemacht, sagte die Vorsitzende Richterin Barbara Heidner. Daher halte das Gericht eine Freiheitsstrafe von insgesamt drei Jahren und zwei Monaten für angemessen.

Die Ehefrau wurde für die Misshandlung einer Schutzbefohlenen von der Strafkammer zu einer Strafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Diese Strafe ist allerdings zur Bewährung ausgesetzt. Die Kammer gehe bei der Pädagogin in erster Linie von einem Unterlassungsdelikt aus, betonte die Richterin. Die Frau habe von den Taten des Mannes gewusst und diese gebilligt.

Vier Betroffene waren im Prozess als Nebenklägerinnen aufgetreten, eine verfolgte die Verhandlung im Gerichtssaal. Seine Mandantin habe sich schon früher wegen der Taten an eine Betreuerin gewandt, die aber beim damaligen Träger der Einrichtung kein Gehör gefunden habe, sagte der Rechtsanwalt einer heute 34-Jährigen. Eine andere frühere Bewohnerin hatte sich im Januar 2019 an die Polizei gewandt und so die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Der damalige Träger der Einrichtung hatte sich bereits 2007 von dem Paar getrennt. Grund seien aber nicht Hinweise auf sexuellen Missbrauch gewesen. Das Paar führte die Beratungsstelle, in der laut Anklage bis zu sieben hilfebedürftige Kinder lebten, mit einem neuen Träger weiter.

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft dem gelernten Erzieher sexuellen Missbrauch in zwölf Fällen vorgeworfen, darunter zwei schwere Fälle. Der Mann habe zwischen 1997 und 2004 mit mindestens vier Mädchen einen Windel- und Exkrementenfetisch ausgelebt. Er soll Mädchen gezwungen haben, tagelang Windeln zu tragen, ein anderes Kind soll er in einen Hundekäfig gesperrt haben. Außerdem warf die Staatsanwaltschaft ihm die Misshandlung von Schutzbefohlenen in vier Fällen vor und der Ehefrau sieben Fälle.

© SZ/epd/afis/mkoh/saul

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