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Judi Dench:Das älteste Covergirl der Welt

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Die britische Schauspielerin Judi Dench gilt in ihrer Heimat als Nationalheldin.

(Foto: Jeff Spicer/Getty Images)

Sie dreht ständig neue Filme, bringt die Briten zum Lachen und gilt in ihrer Heimat als Nationalheldin. Auf dem Titel der Vogue stellt die Schauspielerin Judi Dench mit 85 Jahren einen neuen Rekord auf.

Sie sieht nicht mehr sehr gut und kann deshalb nicht mehr auf einer Theaterbühne stehen oder Auto fahren. Auch das Cover der britischen Vogue, das sie in der Juni-Ausgabe zieren wird, kann sie nur noch vage erkennen, wie sie im dazugehörigen Interview kurz beklagt. Andererseits: Die Frau, die mit 85 - und damit als ältestes Covergirl, das jemals auf dem Titel der Zeitschrift zu sehen war - in einer Modestrecke erstaunliche Grandezza entwickelt, kann doch noch sehr viel. Sie kann zwischen all den Auszeichnungen, die sie in den Schubladen ihres Hauses in Surrey hortet, ihren Oscar für "Shakespeare in Love" finden. Kann für kurze Videos in den Social Media mit ihrem Enkel tanzen. Die Briten in der Corona-Krise zum Lachen bringen, indem sie einen Hut mit hochklappbaren Hundeohren aufsetzt und Witzchen macht. Ihre Landsleute in einer Videobotschaft bitten, daheim zu bleiben und andere zu schützen. Und sie kann ständig neue Filme drehen.

Allein in diesem Jahr stehen drei Premieren mit Judi Dench an - eine Komödie, ein Fantasy-Spektakel und ein Kriegsfilm. Über das Alter wolle sie nicht reden, sagt sie regelmäßig, und wer behaupte, mit 85 Jahren könne man sich noch wunderbar jung fühlen, rede Unsinn. "Es ist fürchterlich." Aber sie will weiter spielen, weiter auftreten, nach dem Lockdown. Aufhören komme nicht infrage.

Die britische Vogue hat immer wieder Stars auf ihrem Cover. Im vergangenen Frühjahr, vor ihrem Rückzug aus Großbritannien, hatte die Duchess of Sussex, Meghan Markle, eine Ausgabe gestaltet; in diesem Monat ist die Sängerin Rihanna mit Durag, einem im Nacken gebundenen Kopftuch, zu sehen. Und nun also Judi Dench, die im Königreich als Nationalheilige gilt - entsprechend groß ist die Aufregung. Die Nachrichtenlage ist, abgesehen von Corona-Themen, auch in den britischen Medien dünn, Superstar Dench in Dolce & Gabbana, mit launigen Sprüchen zu alten Rollen und alten Lieben also eine willkommene Abwechslung.

Dame Judi Dench, wie sie mitsamt ihrem Titel heißt, begann mit dem Theaterspielen schon als Jugendliche und landete nach der Schauspielschule fast direkt an den großen Londoner Bühnen. Im eigenen Land berühmt wurde sie mit klassischen Rollen, immer wieder mit Shakespeare, natürlich, aber ein internationaler Star war sie erst, als sie begann, James Bond Befehle zu geben: Als M, Chefin des MI 6, war sie bis zu ihrem fiktionalen Tod in "Skyfall" die Vorgesetzte erst von Pierce Brosnan, dann von Daniel Craig.

Sechsmal war sie für den Oscar nominiert, unter anderem für ihre enorme Präsenz in "Iris" und "Philomena", aber erst als Elisabeth I. in dem von Harvey Weinstein produzierten Liebesfilm "Shakespeare in Love" kam sie zum Zug. Ihre Auftritte hätten aus "ein paar Minuten mit schlechten Zähnen" bestanden, beschreibt sie ihre Rolle in Interviews lachend. Über die "Me Too"-Ära und Weinstein, der im März wegen Sexualverbrechen zu 23 Jahren Haft verurteilt worden war, sagt Dench, sie habe Mitleid mit jeder Frau, die solche Erfahrungen machen musste. "Es ist gut, dass das ans Tageslicht kam und Menschen jetzt die Freiheit empfinden, darüber sprechen zu können." Dench hatte zuvor Kritik einstecken müssen, weil sie sich hinter ihren langjährigen Freund Kevin Spacey stellte, den sie aus dem Londoner Theater Old Vic kennt. Sie wolle nichts beschönigen, aber es könne nicht sein, dass mit den Vorwürfen wegen sexueller Belästigung auch die wunderbare Arbeit vergiftet und vergessen sei, die Männer wie Spacey geleistet hätten. "Man kann doch deshalb nicht jemandem absprechen, dass er ein Künstler ist."

Judi Dench war 30 Jahre lang mit dem Kollegen Michael Williams verheiratet, mit dem sie eine Tochter hat. Williams starb 2001 an Krebs; seit einem Jahrzehnt ist Dench mit dem Umweltschützer David Mills liiert. Nur eines bereue sie im Leben, betont sie häufig: dass sie nicht mehr Kinder habe.

© SZ vom 06.05.2020

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