SZ-Kolumne "Bester Dinge"Das Auge fliegt mit

(Foto: Virgin Atlantic)

Eine britische Airline erlaubt ihren Flugbegleiterinnen erstmals, sichtbare Tattoos zu tragen. Über Schönheit, Diversity und Hormone in der Luft.

Von Veronika Wulf

Ein Berufszweig, in dem man mitunter noch weniger Diversität findet als bei "Germany's Next Topmodel", ist der der Flugbegleiterinnen. Noch immer scheint die geschminkte, schlanke Schönheit in Bleistiftrock und Pumps in der Branche vorzuherrschen. Das liegt auch an den Einstellungskriterien der meisten Airlines. Dazu gehören nämlich nicht nur eine Mindestgröße von 160 cm (unter anderem aus Sicherheitsgründen) und gute Schwimmkenntnisse (aus Gründen, die man lieber verdrängt), sondern auch ein Verbot von sichtbaren Tattoos und Piercings und andere optische Voraussetzungen. Bei Eurowings ist etwa ein "stilvolles und gepflegtes äußeres Erscheinungsbild" gewünscht, bei der Lufthansa ein "charmantes Auftreten" und ein " angemessenes Körpergewicht". Zumindest der Frankfurter Oberbürgermeister weiß das offenbar zu schätzen, wie er kürzlich auf einem Flug mit Verweis auf seine Hormone in ein Mikrofon sprach.

Nun erlaubt die britische Fluggesellschaft Virgin Atlantic als erste große, globale Airline ihrem Kabinenpersonal, sichtbare Tattoos zu tragen, wie der Guardian berichtet. Das Unternehmen verzichtet bereits seit 2019 auf eine Rock- und Make-up-Pflicht. Natürlich kommt die neue Lockerung mit einer großen Diversity-Kampagne daher, doch tatsächlich sucht man seit dem Abflauen der Pandemie händeringend Personal, und es sind nun mal immer mehr Menschen tätowiert. In Deutschland sind es je nach Umfrage ein Fünftel bis ein Viertel, die meisten aus dem simplen Grund: weil sie es schön finden.

Doch was, wenn einem Tattoos einfach nicht gefallen? Dann wird man zumindest bei einem Virgin-Atlantic-Flug künftig nicht mehr "hormonell außer Gefecht gesetzt".

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