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Mordverdacht in Viersen:Beschuldigte Erzieherin soll für weitere Übergriffe auf Kinder verantwortlich sein

Mordverdacht in Kita: Ermittler wollen weitere Details nennen

Stofftiere und Kerzen umgeben den Eingang der Kindertagesstätte, wo ein Kind einen Atemstillstand erlitt.

(Foto: Marcel Kusch/dpa)

Eine Dreijährige stirbt, eine junge Erzieherin steht unter Mordverdacht. Nun haben sich Polizei und Staatsanwaltschaft erstmals ausführlich zu dem Fall geäußert - und sprechen von einem gezielten Tötungsdelikt.

Was geschah in der Kita? Das fragt man sich in Viersen, 76 000 Einwohner, seit Tagen. Die Ermittler haben sich bisher bedeckt gehalten, seit 14 Uhr äußern sie sich erstmals in einer Pressekonferenz.

Demnach hat es auch in anderen Kindertagesstätten, in denen die beschuldigte Erzieherin in den Jahren 2017 und 2018 gearbeitet hat, Vorfälle gegeben, bei denen Kindern Atemstillstände erlitten haben. Allein in einer Kita im niederrheinischen Kempen habe es vier Übergriffe gegeben, bei denen allerdings kein Kind zu Tode gekommen sei, wohl auch deshalb, weil die Verdächtige in allerletzter Minute doch Hilfe holte.

Der 25-jährigen war zunächst allein die Tat in Viersen vorgeworfen worden. Die Erzieherin soll das dreijährige Kind Ende April in der Kita gezielt getötet haben. Wie die Polizei ermittelt hat, hatte zur betreffenden Zeit niemand anders Zugang zu dem Mädchen. Die Ermittler werten die Tat als Mord, wobei sie das Mordmerkmal der Heimtücke anlegen. Auf Mord stünde zwingend eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Bereits am Vormittag hatte die Stadt neue Details mitgeteilt: Demnach passierte die mutmaßliche Tat am vorletzten Arbeitstag der Frau in der städtischen Kita "Steinkreis". Die 25-Jährige hatte demnach von sich aus am 15. April gekündigt. Das Kind sei dann am vorletzten Arbeitstag der Frau mit einem Atemstillstand ins Krankenhaus gebracht worden. Der 22. April sei der letzte Arbeitstag gewesen, bevor die Frau Resturlaub nehmen und am 1. Mai eine neue Arbeitsstelle antreten wollte.

Angeblich wollte die Frau nach Kenntnis der Stadt wegen der Größe und des Konzepts der Kindertageseinrichtung "Steinkreis" im Stadtteil Alt-Viersen wechseln. Die 25-Jährige hatte erst am 1. Januar 2020 dort begonnen. Das Kind sei nach Atemstillstand, Reanimation und weiterer notärztlicher Versorgung vom Rettungsdienst aus der Kita ins Krankenhaus gebracht worden, erklärte die Stadt Viersen in ihrer Mitteilung.

Die Erzieherin habe laut "der ersten Sachverhaltsschilderung" bei einer Kontrolle während des Mittagsschlafs festgestellt, dass das Kind nicht mehr atme. Daraufhin seien Rettungsdienst und Notarzt alarmiert worden. Nachdem deutlich geworden sei, dass das Kind schwerste Schäden erlitten hatte, habe das Jugendamt am 27. April ein rechtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben. Damit habe geklärt werden sollen, wie es zu den am 21. April erlittenen Verletzungen habe kommen können. Aus diesem Gutachten lassen sich nun möglicherweise Rückschlüsse auf die Todesursache ziehen.

Weil die Rechtsmediziner eine Gewalteinwirkung nicht ausschließen konnten, schaltete das Krankenhaus die Polizei ein, die mit ihren Ermittlungen begann. Das Kind starb dann am 4. Mai. Die Erzieherin wurde aber erst am 19. Mai festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Sie schweigt zur Tat.

© SZ/dpa/afis/ick/olkl
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