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Verurteilter Mörder:Gäfgen-Entschädigung fließt direkt in die Staatskasse

Das Urteil sorgte für Empörung: Ein Gericht sprach dem verurteilten Mörder Magnus Gäfgen 3000 Euro Entschädigung zu, weil Ermittler ihm im Verhör mit Folter gedroht hatten. Allein: Das Geld wird Gäfgen nie erhalten, weil er noch Schulden bei der Justizkasse hat.

Die Wortmeldung der hessischen Justiz könnte die Debatte ein wenig beruhigen: Am Donnerstag hatte das Frankfurter Landgericht dem verurteilten Mörder und Entführer Magnus Gäfgen mehr als 3000 Euro Schadenersatz zugesprochen, weil zwei Ermittler ihm in einem Verhör 2002 mit Folter gedroht hatten - und damit eine aufgeregte Diskussion ausgelöst. Doch das Geld bleibt ohnehin in der Staatskasse, wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft jetzt mitteilte.

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Weniger Schulden statt 3000 Euro mehr: Die Entschädigungszahlungen für Magnus Gäfgen fließen an die Justizkasse.

(Foto: dpa)

Mit dem Geld werden Schulden getilgt: Aus dem Mordprozess habe der 36-Jährige noch 71.000 Euro Schulden bei der Justizkasse offen, die müssten erst beglichen werden, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu und bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Gäfgen hatte 2002 den elfjährigen Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und getötet. Von den Eltern forderte er Lösegeld. Kurz nach der Geldübergabe nahm ihn die Polizei fest; im Verhör drohte ihm ein Beamter mit "unvorstellbaren Schmerzen", falls er den Aufenthaltsort des Jungen nicht verrate. Die Leiche des Kindes wurde dann allerdings wenig später aus einem Tümpel geborgen. Der Vernehmungsbeamte und ein Vorgesetzter sind wegen der Folterdrohung bereits 2004 zu Geldstrafen auf Bewährung verurteilt worden.

Das Vorgehen der Ermittler sei eine "schwerwiegende Rechtsverletzung" und könne nicht auf andere Weise befriedigend ausgeglichen werden als durch die Zahlung einer Entschädigung, sagte der Vorsitzende Richter Christoph Hefter zu seinem Urteil am Donnerstag. Beide Polizisten hätten mit ihren Drohungen vorsätzlich gehandelt und nicht alle übrigen Wege ausgeschöpft, um Gäfgen zum Reden zu bringen.

© sueddeutsche.de/dpa/leja/fran
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