Vertreter von Tebartz-van Elst Im Namen des Papstes

Als Jugendlicher langweilte ihn die katholische Kirche: Jetzt leitet Wolfgang Rösch auf Geheiß des Papstes vorübergehend das Limburger Bistum - doch große Amtsgewalt besitzt er nicht.

Von Matthias Drobinski

Gottesdienste fand er langweilig als Kind, damals, im ländlichen Rheingau. Und für den jungen Mann war es spannender herauszufinden, wie Maschinen funktionieren, als das Innere der katholischen Kirche zu ergründen. So wurde Wolfgang Rösch Ende der Siebzigerjahre in Darmstadt Maschinenbau-Student. Aber dann war da diese Einladung zum Bibelkreis. Er ging hin, fing Feuer und entschloss sich, Theologie zu studieren.

Rösch wurde Priester, Pfarrer in Limburg, Leiter des Priesterseminars, Stadtdekan in Wiesbaden. Es schien eine ordentliche, wenig auffällige Kirchenkarriere ihren Gipfel zu finden, als der schon angeschlagene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst ihn im Oktober überraschend zum Generalvikar berief, zum Nachfolger von Franz Josef Kaspar, dem eine gehörige Mitschuld an der Affäre um die verschwiegenen Baukosten der Bischofsresidenz angelastet wird. Sein Amt sollte er am 1. Januar antreten. Und nun das.

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Per Befehl aus Rom, direkt von Papst Franziskus, ist Wolfgang Rösch bis auf Weiteres der faktische Leiter des Bistums Limburg. Verantwortlich ist er nur dem Papst gegenüber - der hat sich mit der Entscheidung, Tebartz-van Elst in die Auszeit zu schicken und Rösch ins Amt zu heben, gewissermaßen selber zum Bischof von Limburg gemacht.

Guter Verwalter, anständiger Chef

Die Dimension der Aufgabe in dem zerstrittenen Bistum könnte Rösch aus dem Maschinenbau kennen - es ist, als müsse er einen heiß gelaufenen Motor wieder in Gang bringen, bei dem sich der Kolben festgefressen hat, sämtlicher Schmierstoff verdampft ist und zudem ziemlich viele Schrauben locker sitzen.

Vor allem bei den Kritikern des beurlaubten Bischofs wird Rösch um Vertrauen werben müssen. Das Domkapitel hat wohl gehofft, einen eigenen Kandidaten bestimmen zu können, der das Bistum in die Nach-Tebartz-Ära führt. Nun hat der Papst ihnen einen vor die Nase gesetzt, den noch der ungeliebte Bischof ausgesucht hat. Röschs Wiesbadener Pfarrei war die erste Pfarrei, an der das neue Gemeindekonzept des Bischofs umgesetzt wurde; als sich im Bistum viele Pfarrer über Tebartz-van Elst empörten, hielt er sich zurück.

Andererseits gilt der 54-jährige Wolfgang Rösch als Pragmatiker, guter Verwalter und anständiger Chef; das Freund-Feind-Denken der Bistumsleitung habe er sich nicht zu eigen gemacht, sagen auch Kritiker des nun abwesenden Bischofs. Und wenn Papst Franziskus sagt, der neue Generalvikar solle das Bistum "im Rahmen der mit diesem Amt verbundenen Befugnisse" verwalten, dann bedeutet das: Große Amtsgewalt hat er nicht. Ein Generalvikar ist die helfende Hand, das ausführende Organ des Bischofs; Grundsatzentscheidungen darf er nicht alleine treffen. Dass dieser Bischof noch einmal Tebartz-van Elst heißen wird, das glaubt auch er nicht. Der Frankfurter Allgemeinen hat Rösch gesagt: "Ich kann mir schwer vorstellen, dass das noch konstruktiv gewendet werden kann."