Verschollenes Flugzeug MH370 Malaysias Premier weigert sich, Passagiere für tot zu erklären

Hoffnung - auch nach sechs Wochen ohne jede Spur der verschollenen Malaysia-Airlines-Maschine.

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Die Boeing der Malaysia Airlines bleibt verschollen, dennoch will der malaysische Premier Crew und Passagiere nicht für tot erklären. Aus Rücksicht auf die Angehörigen, wie er sagt. Doch die Zögerlichkeit könnte den Angehörigen Probleme machen.

Seit mehr als sechs Wochen gibt es kein Lebenszeichen von Crew und Passagieren des Malaysia-Airlines-Fluges MH370. Obwohl an der Suche mehrere Länder beteiligt sind und neuestes technisches Gerät zum Einsatz kommt, konnten bisher keine Wrackteile oder Leichen gefunden werden. Dass einer der 239 Menschen an Bord der Boeing noch lebt, ist nach menschlischem Ermessen höchst unwahrscheinlich. Das weiß auch Malaysias Premierminister Najib Razak - offiziell für verloren erklären will er das verschollene Flugzeug aber nicht.

In einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender CNN sagte er, der Respekt vor den Gefühlen der Angehörigen gebiete es, mit einem solchen endgültigen Statement noch zu warten. "Manche von ihnen haben öffentlich erklärt, dass sie nicht bereit sind, das zu akzeptieren, bis es harte Beweise gibt", sagte Razak dem CNN-Reporter Richard Quest. Allerdings, so der Premier, sei es auch schwierig, sich ein anderes Szenario als einen Absturz vorzustellen.

Die offizielle Einschätzung der Regierung mag von Außenstehenden als rücksichtsvoll betrachtet werden, hat aber wohl auch finanzielle Folgen: So lange Malaysia die Maschine nicht für verloren erklärt, können nach CNN-Informationen Entschädigungszahlen nicht in vollem Umfang an die Familien ausbezahlt werden.

Vor vier Wochen hatte der malaysische Premier erklärt, Satellitendaten zeigten, dass die letzte Position von MH370 über dem Indischen Ozean, westlich der australischen Stadt Perth liege. "Das ist eine abgelegene Stelle, weit entfernt von möglichen Landeplätzen. Ich muss Ihnen deshalb mit größtem Bedauern mitteilen, dass Flug MH370 im südlichen Indischen Ozean endete." Das Wort "Absturz" brachte Razak auch damals nicht über die Lippen.

Malaysias Premier Najib Razak verkündet am 24. März bei einer Pressekonferenz, dass Flug MH370 über dem Indischen Ozean "endete".

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Folgen für Entschädigungszahlungen

Anschließend hatte die Fluggesellschaft die Angehörigen der Passagiere in einem Schreiben informiert, dass "wir über jeden berechtigten Zweifel hinaus annehmen müssen, dass MH370 verloren ist und niemand an Bord überlebt hat".

Die Angehörigen werfen den malaysischen Behörden und der Airline vor, sie nicht ausreichend über die Ermittlungen und die Suchaktion zu infomieren. Zuletzt kam es vor der malaysischen Botschaft in Peking zu einer Protestaktion; die meisten der mehr als 200 Passagiere sind chinesische Staatsangehörige.

Die malaysische Regierung hat nach eigener Aussage einen Bericht zum bisherigen Stand der Suchmaßnahmen verfasst, der bereits der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation ICAO übergeben worden sei. Die ICAO schreibt einen solchen Report bei schwerwiegenden Vorfällen im Luftfahrtverkehr vor. Voraussichtlich in der kommenden Woche werde seine Regierung den Bericht der Öffentlichkeit - und damit auch den Angehörigen - zugänglich machen, sagte Razak im CNN-Interview. Derzeit sei ein "internes Team von Experten" noch mit der Durchsicht des Reports beschäftigt. Auf die Frage des Reporters, weshalb dies nötig sei und ob das bedeute, dass der Bericht etwas "Unangenehmes" enthalte, sagte Razak, davon gehe er nicht aus.

Unterdessen ist die Suchaktion an den wahrscheinlichsten Absturzstellen im Indischen Ozean nach Behördenangaben fast abgeschlossen. Die Suche nach dem verschollenen Flugzeug war zuletzt auf die Gebiete rund um mehrere Pings, letzte Satellitendaten von MH370, konzentriert worden. Das autonome U-Boot Bluefin-21 hatte die Gewässer in einem Zehn-Kilometer-Radius um die Pings abgesucht - bislang ohne Ergebnis. Wenn Bluefin-21 keine relevanten Entdeckungen mache, werde die Suche auf angrenzende Gebiete augeweitet, erklärte ein Sprecher des australischen Suchteams.