Vermisste Studenten in Mexiko:Grausiges Rätsel

Lesezeit: 2 min

Student protest in front of Mexican General Attorney headquarters

Landesweit gehen die Menschen in Mexiko auf die Straße.

(Foto: dpa)

Drei Mitglieder eines Drogenkartells haben zugegeben, die 43 vermissten Studenten ermordet und anschließend verbrannt zu haben. Wenn das stimmt, ist der Fall aber noch lange nicht gelöst.

Von Peter Burghardt, Mexiko-Stadt

Jetzt gelten die meistgesuchten Studenten der Welt also offiziell als tot, das kann niemanden mehr überraschen. Bereits vor fast sechs Wochen waren 43 Lehramtsanwärter aus Ayotzinapa in der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero von Polizisten entführt worden, weitere Zivilisten hatten die Uniformierten erschossen.

In der Nacht zum Samstag berichtet Mexikos Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam nun mit Grabesstimme, dass die jungen Männer ermordet worden seien. Das hätten verhaftete Killer des Drogenkartells Guerreros Unidos gestanden. Man habe sie mit Kopfschüssen getötet und auf einer Müllkippe verbrannt, berichteten die Zeugen kaltblütig, manche seien schon beim Transport erstickt. Die Reste seien in einen Fluss geworfen worden.

Die Identifizierung der Leichen kann dauern

Wenn das stimmt, dann ist dieses grausige Rätsel aber längst noch nicht gelöst. Die Identifizierung der Fundstücke kann lange dauern, obwohl unabhängige Argentinier und Österreicher beauftragt wurden. Die Eltern und Freunde der Opfer haben jedes Vertrauen in Mexikos Behörden verloren. Wer sie in dieser abgelegenen Dorfschule Escuela Rural Normal nahe der Regionalhauptstadt Chilpancingo besucht, der trifft auf ebenso traurige wie entsetzte und zornige Menschen.

Die Empörung teilen sie mit dem interessierten Rest der Menschheit. Wie kann es sein, dass offenbar im Auftrag des Bürgermeisters erst drei künftige Dozenten und drei Passanten von Ordnungshütern nieder gemetzelt und die anderen dann Berufsverbrechern ausgeliefert werden? Und wie kann es sein, dass bei der Fahndung diverse Massengräber mit verkohlten und namenlosen Knochenresten auftauchen, die mit den Gesuchten anscheinend nichts zu tun haben?

Der Tatort Iguala ist heute wahrscheinlich eine der gespenstischsten Städte Mexikos, wo in acht Jahren Drogenkrieg mehr als 70.000 Menschen umkamen und weitere 26.000 Menschen verschwunden sind. Besucher in der seit dem Massaker militarisierten Gemeinde wollen möglichst schnell wieder weg.

Die Eltern haben jedes Vertrauen in die Behörden verloren

Der Bürgermeister José Luis Abarca und seine Frau María de los Ángeles Pineda wurden verhaftet, beide gelten als mutmaßliche Auftraggeber der Entführung und als korrupte Komplizen der Mafia. Sie haben sich schamlos bereichert, er soll in einem anderen Fall außerdem persönlich gemordet haben.

Festgenommen wurden auch Polizisten und Söldner, sie gehören offenbar zusammen. Die Angehörigen der Vermissten aus der Escuela Rural Normal glauben den Mächtigen inklusive ihrem Präsidenten Enrique Peña Nieto kein Wort mehr. Am Samstag fanden wieder landesweite Proteste statt. Auf einem Plakat stand: "Die Studenten leben, der Rechtsstaat ist tot."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB