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Verhaftung von Roman Polanski:Recht und Regeln

Trotz aller Beteuerungen behandelt die Schweizer Justiz den Fall Polanski nicht wie jeden anderen. Gut möglich, dass der Regisseur in mehr als einer Hinsicht Justizgeschichte schreiben wird.

Cathrin Kahlweit

Roman Polanski ist ein alter Herr, der seit etwa drei Wochen in der Schweiz in Auslieferungshaft sitzt. Müde sei er und schwermütig, heißt es. Kein Wunder, traf ihn doch seine Verhaftung wie ein Blitz aus heiterem Himmel nach mehr als drei Jahrzehnten, in denen er nicht mehr erwartet hatte, sich einem Prozess wegen Missbrauchs einer Minderjährigen in den USA stellen zu müssen. Nun hat das Bundesstrafgericht im schweizerischen Bellinzona Polanskis Antrag auf Haftentlassung abgelehnt.

Dabei hat es mit einer gewissen Freude am Subtilen in der Begründung deutlich gemacht, um was es hier eigentlich geht: um die "Regel" nämlich, dass ein Beschuldigter während eines Auslieferungsverfahrens in Haft zu sein habe.

Die weiteren, durchaus plausiblen Argumente der Richter - Fluchtgefahr, keine ordnungsgemäße Kaution - dürften die Anwälte des prominenten Regisseurs weiter zum Widerspruch anfeuern. Sollte der Künstler noch längere Zeit in der Schweiz einsitzen müssen, so ist dies aber auch den USA anzulasten. Bis heute hat die US-Justiz offenbar gar nicht um eine Auslieferung nachgesucht.

Bei aller Erregung darüber, dass Roman Polanski noch einmal in die Fänge der Justiz geraten ist, sollten die Signale nicht übersehen werden, die belegen, dass die Schweizer - so sehr sie auch auf die Regeln pochen - diesen delikaten Fall eben doch nicht wie jeden anderen behandeln wollen.

Dieser Tage nämlich entscheidet das Bundesgericht darüber, ob auch eine Fußfessel als Alternative zur Auslieferungshaft gelten darf. Davon könnte Polanski profitieren; er könnte mit Fessel in seinem Chalet in Gstaad sitzen und in mehr als einer Hinsicht Justizgeschichte schreiben.

© SZ vom 21.10.2009/ehr

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