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Vergewaltigungsprozess:Strauss-Kahn verklagt Zimmermädchen auf eine Million Dollar

Der ehemalige Währungsfondschef holt zum Gegenschlag aus: Im Rechtsstreit um die mutmaßliche Vergewaltigung eines Zimmermädchens verklagt Strauss-Kahn die Frau nun wegen Verleumdung. Er fordert eine Million Dollar Schadensersatz - immerhin galt er vor dem Skandal als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat.

Angesichts des bevorstehenden Zivilprozesses in den USA geht Dominique Strauss-Kahn in die Gegenoffensive: Wegen Verleumdung fordert der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) umgerechnet 780.000 Euro Schadenersatz von dem Zimmermädchen, das ihm vorwirft, sie vor einem Jahr in einem New Yorker Luxushotel zum Oralsex gezwungen zu haben. Dies geht aus der Gegenklage hervor.

Strauss-Kahn

Er hätte Präsident werden können, doch dann kam ihm der Vergewaltigungs-Skandal dazwischen: Strauss-Kahn auf dem Weg ins Wahllokal am 6. Mai.

(Foto: REUTERS)

In der am Montag bei einem New Yorker Gericht eingereichten Klage beschuldigen Strauss-Kahns Anwälte die 33-jährige Hotelangestellte Nafissatou Diallo, die Strafverfolgungsbehörden "wissentlich und absichtlich" belogen zu haben. Die "infamen und mutwilligen falschen Vorwürfe" hätten Strauss-Kahns Ansehen untergraben und "andere beruflichen Chancen" beschädigt. In dem Gerichtsdokument erinnern die Anwälte daran, dass Strauss-Kahn zu dem fraglichen Zeitpunkt als möglicher nächster Präsident Frankreichs galt.

Ein Jahr nach der angeblichen Vergewaltigung in einem New Yorker Hotel hat Ex-Währungsfondschef Dominique Strauss-Kahn das Zimmermädchen auf eine Million Dollar (rund 780.000 Euro) verklagt. Das bestätigte der Anwalt der Frau, Douglas Wigdor. Wigdor nannte das den "verzweifelten Versuch" des Franzosen, von seinem eigenen Zivilverfahren abzulenken.

Strauss-Kahn musste seine Hoffnung aufs Präsidentenamt begraben

Der damalige IWF-Chef war Mitte Mai 2011 am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen und wegen versuchter Vergewaltigung und erzwungenen Oralverkehrs angeklagt worden. Im Zuge der Affäre musste der einstige Hoffnungsträger der französischen Sozialisten von der IWF-Spitze weichen und seine Ambitionen auf das Präsidentenamt begraben.

Ende August stellte die US-Justiz die Strafverfolgung wegen Zweifeln an Diallos Glaubwürdigkeit ein. Das Anfang August von ihr angestrengte Zivilverfahren blieb davon aber unberührt. Vor zwei Wochen gab das New Yorker Gericht grünes Licht für einen Zivilprozess gegen den 63-Jährigen.

Strauss-Kahns Anwälte werfen Diallo vor, die "fälschliche Inhaftierung" des damaligen IWF-Chefs und seinen "emotionalen Stress" bewusst in Kauf genommen zu haben. So sei er nach seiner Festnahme einer "entwürdigenden Durchsuchung" unterworfen und nackt fotografiert worden, ferner hätten ihn die Ermittler zur Abgabe einer Samenprobe gezwungen.

Strauss-Kahns Anwälte verdächtigen Diallo, es nur auf die finanzielle Entschädigung abgesehen zu haben; wieviel sie fordert, ist bislang nicht bekannt. Diallos Anwalt Douglas Wigdor wies die Gegenklage als Beispiel für "Strauss-Kahns frauenfeindliche Haltung" zurück. Wie bereits der Versuch des früheren IWF-Chefs, sich auf seine diplomatische Immunität zu berufen, werde auch dieses "verzweifelte Manöver" nicht zum Erfolg führen, sagte er.

Auch die französische Justiz hat den ehemaligen IWF-Chef ins Visier genommen

Dass es vor einem Jahr zu einem sexuellen Kontakt Strauss-Kahns mit dem Zimmermädchen gekommen war, gilt als erwiesen. Der 63-Jährige spricht jedoch von einvernehmlichem Sex. In ihrer Gegenklage bekräftigten seine Anwälte, es habe weder "Gewalt noch Zwang" gegeben, auch sei Diallo nicht verletzt worden. Eine Stunde danach habe sie aber mit Hilfe des Hotel-Personals gegenüber der Polizei ausgesagt, von Strauss-Kahn sexuell angegriffen worden zu sein, "obwohl sie wusste, dass dies nicht stimmte".

Strauss-Kahn ist inzwischen auch ins Visier der französischen Justiz geraten. Die Staatsanwaltschaft im nordfranzösischen Lille wirft ihm "organisierte Zuhälterei" vor und eröffnete Ende März ein Ermittlungsverfahren. Dabei geht es um Sex-Partys, an denen der Ex-IWF-Chef in Paris, Brüssel und Washington teilnahm. Er selbst gibt an, nicht gewusst zu haben, dass die Teilnehmerinnen Prostituierte waren.