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Vergewaltigungsopfer und katholische Kliniken:Bundestagsabgeordnete spricht von Skandal

Und tatsächlich gilt diese Regelung nicht nur im Erzbistum Köln so - sondern zumindest im Grundsatz für alle katholischen Krankenhäuser. "Es entspricht unseren ethischen Grundsätzen, dass wir in unseren Krankenhäusern keine Abtreibungen vornehmen und auch nicht die ,Pille danach' verabreichen, die ja wie eine Abtreibung wirkt", sagt Claudia Beck, die Sprecherin des Deutschen Caritasverbandes.

Völlig klar sei dagegen, dass Vergewaltigungsopfer in den katholischen Kliniken medizinisch versorgt würden. "Sie bekommen dort jede Hilfe, die sie brauchen, im medizinischen, aber auch im psychischen und sozialen Bereich," sagt die Caritas-Sprecherin. Nur eben kein Mittel, das verhindert, dass sich ein schon befruchtetes Ei in der Gebärmutter einnistet.

Streng genommen heißt dies: Aus katholischer Sicht darf auch eine Frau nicht abtreiben, wenn sie nach einer Vergewaltigung schwanger ist, und deshalb darf eine katholische Einrichtung nicht daran mitwirken, dass eine Frau diese Schwangerschaft beendet. Auch in der katholischen Kirche stößt dies auf Kritik: Die Kölner CDU-Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen-Esser, Landesvorsitzende der von katholischen Laien gegründeten Schwangerenberatung Donum Vitae, spricht gar von einem Skandal. Es sei die Pflicht von Krankenhäusern, Vergewaltigungsopfern jegliche Hilfe zukommen zu lassen.

Der katholische Moraltheologe Konrad Hilpert spricht von einer "schlimmen Konfliktsituation, einem Notstand, der nicht einfach zu Lasten der betreffenden Frau entschieden werden sollte". Der Frau drohe schließlich "nach dem Unrecht der Vergewaltigung auch noch das weitere einer aufgezwungenen Schwangerschaft mit Folgen für ihr ganzes Leben". Deshalb könne "in einem solchen Notstand auch ein anderes Handeln vertretbar" sein, "als Ergebnis einer gewissenhaften Erwägung".

Das Kölner Erzbistum hat inzwischen erklärt, man tue alles, "um eine Wiederholung eines solchen sehr bedauerlichen Einzelfalls auszuschließen".

© SZ vom 18.01.2013/mkoh

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