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Gruppenvergewaltigung in Mülheim:Familie von Hauptverdächtigem soll ausreisen

Mülheim an der Ruhr

Das Ortsschild von Mülheim an der Ruhr. Fünf zwölf und 14 Jahre alte Kinder und Jugendliche sollen Anfang Juli eine Frau in der Stadt vergewaltigt haben.

(Foto: dpa)

Ein 14-Jähriger soll mit anderen Jugendlichen eine junge Frau vergewaltigt haben. Da sein Vater bei einer Überprüfung durch die Stadt kein Einkommen habe nachweisen können, soll die Familie jetzt ausreisen.

Die bulgarische Familie eines wegen Vergewaltigung verdächtigten 14-Jährigen im nordrhein-westfälischen Mülheim soll nach dem Willen der Stadt in ihr Heimatland zurückkehren. Die Familie sei aufgefordert worden, Deutschland freiwillig zu verlassen, sagte ein Sprecher der Stadt. Komme sie dem nicht nach, werde sie ausgewiesen. Die Stadt hatte ein Verfahren zur Einschränkung der Freizügigkeit, wie sie für EU-Bürger gilt, eingeleitet.

Der 14-Jährige steht im Verdacht, gemeinsam mit zwei ebenfalls 14-jährigen und zwei zwölfjährigen Freunden eine junge Frau in einem Waldstück vergewaltigt zu haben. Er ist der Hauptbeschuldigte in diesem Fall, der bundesweite Aufmerksamkeit bekam.

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Die Stadt hatte überprüft, ob die Familien der drei 14-jährigen Tatverdächtigen über ein eigenes Einkommen verfügen. Dazu seien die aus Bulgarien stammenden Familien einem Stadtsprecher zufolge spätestens fünf Jahre nach ihrem Kommen verpflichtet. In allen drei Fällen konnten die Familien zunächst Einkommen nachweisen. Der Vater des Hauptverdächtigen aber soll einen druckfrischen Arbeitsvertrag vorgelegt haben, der mit einem Imbissbetreiber geschlossen worden sei. Die Stelle aber hat er nach Angaben der Stadt nie angetreten. Daraufhin sei er wieder abgemeldet worden. Eine Anhörungsfrist, in der der Familienvater sich zu dem Sachverhalt hätte äußern können, habe die Familie ohne Reaktion verstreichen lassen.

Bis Ende Oktober habe sie nun die Möglichkeit, gegen die freiwillige Ausreise zu klagen, heißt es. Danach erfolge die Ausweisung. Diese beziehe sich auf alle Familienmitglieder. Eine volljährige Tochter hatte Deutschland nach Angaben der Stadt schon vor Wochen mit ihrem Kind verlassen. Die anderen Familienangehörigen seien noch in Mülheim gemeldet. Die Familien der anderen beiden 14-Jährigen dürften bleiben, weil sie eigene Einkommen nachweisen konnten.

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