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Verbrechen in London:Die bösen Nachbarn

Londons Bürgermeister hat eine interaktive Karte eingeführt, auf der die Verbrechenszahlen einzelner Straßenzüge aufgelistet sind. Nicht nur das Rathausviertel schneidet überraschend schlecht ab.

Die Queen lebt eigentlich in einer schlechten Nachbarschaft: Überdurchschnittlich hoch ist die Verbrechensrate rings um den Buckingham-Palast; insgesamt 32 mittlere und schwerere Straftaten wurden allein im vergangenen Juli im engeren Umkreis um das Schloss registriert. Erheblich sicherer könnte sich die Königin fühlen, wenn sie noch immer - was sie freilich schon länger nicht mehr tut - im Nobelkaufhaus Harrod's einkaufen ginge. Denn in der feinen Straße Knightsbridge wurde im selben Monat kein einziges Delikt begangen.

Londons Bürgermeister Boris Johnson: "Richtiger Schritt".

(Foto: Foto: dpa)

Derlei Informationen können Elisabeth II. und der Rest der Bewohner von London seit Neuestem von einer Website abrufen, die auf Initiative des neuen Bürgermeisters Boris Johnson und von Scotland Yard geschaffen wurde. Bis hinunter auf die sogenannte Sub-Ward-Ebene - rund 15 bis 20 Straßenzüge umfassende Teile einzelner Stadtteile - sind unter www.maps.met.police.uk auf einer Landkarte die Verbrechenszahlen aufgelistet. Farblich gestaffelt von beruhigendem Hellblau (unterdurchschnittlich) bis zu flammendem Rot (überdurchschnittlich hoch) lässt sich direkt ablesen, wie sicher oder unsicher das eigene Viertel ist.

Johnson bezeichnete die interaktive Karte, die London als erste britische Großstadt eingeführt hat, als einen "großen Schritt nach vorne". Sie ermögliche es den Bürgern der Hauptstadt, von Monat zu Monat die Erfolge der lokalen Polizeibehörden bei der Bekämpfung von Einbrüchen, Raubüberfällen und sogenannten Fahrzeugdelikten zu verfolgen. In die letztere Rubrik fallen Autodiebstähle, Diebstähle aus Pkw und die mutwillige Beschädigung von Fahrzeugen.

Die Crime Map kopiert Vorbilder aus amerikanischen Großstädten. Aus Gründen des Datenschutzes ist sie jedoch bei weitem nicht so detailliert wie das US-Vorbild, das es erlaubt, einzelne Häuser als Schauplätze von Verbrechen zu identifizieren. Der britische Datenschutzbeauftragte hatte vor einer derart präzisen Darstellung gewarnt.

Londons sicherste Distrikte sind, wie die interaktive Karte zeigt, Harrow im Nordwesten und das vornehme Richmond im Südwesten der Hauptstadt. Die mit Abstand höchsten Kriminalitätsraten besitzen die City of Westminster im Zentrum, sowie das historische Viertel Southwark am Südufer der Themse zwischen London Bridge und Tower Bridge. Wie es der Zufall will, liegen ausgerechnet in diesen beiden Stadtteilen das Rathaus von Boris Johnson und die Zentrale von Scotland Yard.