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Veggieday:Fleischloses Dänemark

In Dänemark wird über Veggiedays diskutiert.

(Foto: Sezer ozger/mauritius images)

In Dänemark leben doppelt so viele Schweine wie Menschen. Nun will die Regierung zwei Veggiedays pro Woche in staatlichen Kantinen einführen - und die Aufregung ist natürlich groß.

Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

Fleischfreie Tage in den Kantinen. Es war eigentlich klar, dass das ein Aufreger sein würde im Schweinezuchtland Dänemark. Dort leben noch immer doppelt so viele Schweine (mehr als zwölf Millionen) wie Menschen (5,8 Millionen) - bestimmt dazu, als knallrote Hot-Dog-Wurst zu enden oder aber als Stegt flæsk, kross gebratener Schweinebauch mit Petersiliensoße.

Kein Mensch beschwerte sich über das ökologische Klopapier oder den umweltfreundlichen Fuhrpark im Maßnahmenpaket des dänischen Finanzministers Nicolai Wammen, der am Donnerstag in Kopenhagen erklärte, wie der dänische Staat demnächst den CO2-Fußabdruck in seinen eigenen Behörden mindern möchte. Aber alle reden seither über den Plan, in Zukunft in sämtlichen staatlichen Kantinen zweimal in der Woche auf Fleischgerichte zu verzichten.

In Deutschland waren die Grünen einst mit einem ähnlichen Vorschlag gescheitert. In Dänemark meldete sich vorhersehbar erregt zunächst die rechtspopulistische Volkspartei zu Wort, die viele Wähler holt in jenen ländlichen Regionen, die die ganze Welt mit dänischem Schweinefleisch beliefern. "Komplett verrückt", nannte deren Vizechef Morten Messerschmidt das Vorhaben: "Ich habe nichts gegen Vegetarier. Aber ich habe etwas gegen Leute , die andere zwingen wollen, Vegetarier zu sein". Im Interview mit der Nachrichtenagentur Ritzau entwarf er sodann das Horrorszenario eines dänischen Heerestrupps, dessen bis dahin gesunde Soldaten sich von einem Drill entkräftet in die Kantine schleppen, nur um dann "auf einem Selleriesteak herumkauen zu müssen."

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums blies Jens Rohde von den Sozialliberalen ins gleiche Horn. Er nannte den Plan lächerliche "Symbolpolitik" und "Mikromanagement von der schlechtesten Sorte" und warb für das Grundrecht auf Speisewahlfreiheit auch von Staatsangestellten.

Fleischgerechtigkeit auch in der Parlamentskantine?

Dabei war der Minister nur seinem Auftrag nachgekommen, das staatliche Beschaffungswesen Dänemarks klimafreundlicher auszurichten. Der öffentliche Sektor kauft im Jahr für umgerechnet 51 Milliarden Euro Produkte und Dienstleistungen ein, die verantwortlich sind für zwölf Millionen Tonnen Treibhausgase im Jahr. Dass Fleischproduktion und -konsum für besonders viel CO2-Ausstoß sorgen, ist seit Langem bekannt. Dem World Wildlife Fund zufolge verursacht die Produktion von einem Kilo Schweinefleisch so viel CO2 wie die von 80 Kilo Kartoffeln - und die von einem Kilo Rindfleisch noch einmal das Vierfache davon.

Das Boulevardblatt Ekstrabladet schürte die Erregung dann noch einmal durch die vermeintliche Enthüllung, dass ausgerechnet die Kantine des Folketing, des Parlamentes in Kopenhagen, vom Fleischverzicht erst einmal verschont bleibe. Was regulatorisch kein Wunder ist, da die Kantine in Christiansborg vom Parlament selbst und nicht vom Staat betrieben wird, eine Tatsache, die Ekstrabladet aber nicht daran hindert, von "Fleischheuchelei" zu sprechen: "Während die Gesetzgeber des Landes weiter auf Schweinefleisch sitzen, dürfen 85 000 Beschäftige des Staates nun Brot essen."

Es haben sich allerdings mittlerweile auch Parlamentarier zu Wort gemeldet, die vegetarische Kantinentage für eine gute Idee halten, und möglichst bald für Fleischgerechtigkeit auch in der Parlamentskantine sorgen wollen. Eine erste Debatte darüber wird für den 11. November erwartet.

© SZ/afis
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