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Vegane Mensa:Kein Grund zur Aufregung

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Die neue Mensa „Veggie 2.0“ auf dem Campus der TU Berlin.

(Foto: Julian Dörr)

An der TU Berlin eröffnet die erste rein vegane Mensa der Stadt, wo jeden Tag 500 Essen ausgegeben werden. Ein Besuch.

Am ersten Tag in Berlins erster rein veganer Mensa herrscht - abgesehen vom Fernsehteam eines Lokalsenders und den essensunterbrechenden Fragen des Journalisten - absolute Normalität. Hier protestieren keine Empörten, die das Recht auf Schweinebraten verteidigen wollen. Keine Hardcore-Fleischesser, die sich von der "tiefgrünen Mensa", so steht es über dem Eingang, in ihrem Lebensraum bedroht fühlen. Im Gegenteil. In der neuen Mensa "Veggie 2.0" auf dem Campus der TU Berlin im Stadtteil Charlottenburg herrscht absolute Normalität - mit Hang zu entspanntem Desinteresse. "Ach, das ist jetzt hier vegan?", sagt eine junge Frau, von ihrer Suppe aufblickend. "Hab ich gar nicht gemerkt. Cool."

Seit Ende März läuft der Testbetrieb, am Dienstag nach Ostern ist die offizielle Eröffnung. Am Mittag stehen Studierende Schlange vor der Essensausgabe. Von der Decke hängen filigran gearbeitete Holzlampen, die Wand bedeckt eine Waldtapete. Im vorderen Bereich gibt es bequeme Essensnischen mit Mobiliar in sanften Erdtönen. Die Mensa, die eigentlich eher die Ausmaße eines großen Cafés hat, versucht den Spagat zwischen Naturverbundenheit und Großküche. Das Ergebnis gewinnt keinen Preis für Einrichtungsdesign, ist für eine Mensa aber wirklich ziemlich nett.

"Veggie 2.0" ist die erste rein vegane Mensa der Stadt, an der Freien Universität gibt es seit 2010 eine vegetarische Mensa, "Veggie No. 1", auf diesen Namen spielt die TU mit ihrer Mensa an. Die nach eigenen Angaben bundesweit erste und bislang einzige vegane Mensa findet man in Nürnberg. Seit 2017 werden dort pro Tag bis zu 150, manchmal auch 200 vegane Essen ausgegeben. An der TU Berlin rechnet das Studierendenwerk mit täglich etwa 500 Besuchern. Im Vergleich zur Hauptmensa, die ein Stockwerk höher liegt und täglich mehr als 4500 Essen ausgibt, ist die vegane Alternative immer noch ein Nischenprodukt.

Am Eröffnungstag gibt es buntes Wokgemüse mit Chiasamen, Spaghetti mit Getreidebolognese, Gemüsecurry mit Reis, dazu klassische Mensabeilagen und vegane Desserts. Die Preise liegen mensatypisch zwischen 1,50 Euro und 5 Euro. Alex, Physikstudent, sitzt über einem Gemüsebratling mit Reis. Er ist kein strenger Veganer, freut sich aber trotzdem über das neue Angebot, weil er die fleischverarbeitende Industrie nicht mit seinem Geld unterstützen möchte.

Zielgruppe der neuen Mensa seien nicht nur reine Veganer, sondern auch Vegetarier und Menschen, die kein Schwein essen wollen, sagt die Köchin Nicole Graf. Und ergänzt: "Wir wollen niemanden bekehren." Am Ende, sagt Informatiker David, ist es in einer veganen Mensa genauso wie in einer herkömmlichen: Ob das Essen lecker ist oder nicht, ist ein Glücksspiel. Kein Grund zur Aufregung also.