Besuch beim Papst Trumps Verbündeter im Vatikan

Kardinal Raymond Burke galt dem konservativen Lager als Hoffnungsträger bei der letzten Papstwahl.

(Foto: imago/ZUMA Press)
  • Der US-Amerikaner Raymond Leo Burke gilt im Vatikan als konservativer Gegenspieler von Papst Franziskus.
  • Der Kardinal soll einen direkten Draht ins Weiße Haus haben.
  • An diesem Mittwoch ist US-Präsident Trump zu Besuch im Vatikan.
Von Oliver Meiler, Rom

Wäre der Vatikan ein Staat mit demokratischer Ordnung, was er weiß Gott nicht ist, dann fiele dem US-Amerikaner Raymond Leo Burke, 68, die Rolle des Oppositionsführers zu. Er sieht fast alles ganz anders als der Chef. Und da sein Chef der Heilige Vater ist, nennen die Medien Kardinal Burke etwas übertrieben "Anti-Bergoglio" oder auch "Anti-Papst". Tatsächlich wurde seit Jahrzehnten an der Kirchenspitze nicht mehr so offen gestritten. Franziskus gegen Burke, Progressive gegen Konservative. Unlängst sagte der Papst, er sehe in Burke keinen "Feind". Erstaunlich, dass er das betonen muss.

An diesem Mittwochmorgen empfängt der Papst US-Präsident Trump zur Privataudienz. Über Burke heißt es, er habe einen direkten Draht zum Weißen Haus, seit Trump Präsident sei. Der Kardinal versteht sich offenbar auch blendend mit Steve Bannon, dem Berater Trumps. Die beiden lernten sich vor drei Jahren in Rom kennen, als Bannon noch für das rechte Nachrichtenportal Breitbart News arbeitete und über die Heiligsprechung von Johannes Paul II. berichtete. Bannon sagte einmal, Papst Franziskus sei ein "Kommunist". So würde Burke freilich nicht reden, zumindest nicht öffentlich.

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Der renommierte Kirchenrechtler machte unter Franziskus' Vorgängern eine fulminante Karriere. Johannes Paul II. hatte ihn zum Erzbischof von St. Louis gemacht, Benedikt XVI. beförderte ihn 2008 zum Präfekten der Apostolischen Signatur, der obersten Gerichtsbarkeit der katholischen Kirche. Im Konklave nach Benedikts Abdankung galt Burke sogar als "Papabile", als Anwärter aus dem konservativen Lager auf das höchste Amt. Das Kollegium aber wählte nicht den gelehrten Nordamerikaner mit dem scharfen ideologischen Profil, sondern den Südamerikaner Jorge Mario Bergoglio aus dem progressiven Lager, einen nahbaren Hirten mit mäßigem Interesse für Formaltheologisches.

Die Rivalität entlud sich nach der Familiensynode. Burke und drei weitere traditionalistische Kardinäle schrieben dem Papst einen Brief, in dem sie ihre Zweifel an der Enzyklika "Amoris Laetitia" äußerten. Sie forderten Franziskus auf, einige Fragen zu beantworten, insbesondere jene nach der Zulassung von Wiederverheirateten zum Abendmahl.

Für Burke und seine Mitstreiter ist eine solche Öffnung des Teufels. Als der Papst monatelang nicht antwortete, veröffentlichten sie den Brief. Nicht die feine Art. Burke schwang sich so zum Anführer jener Kreise auf, die Franziskus für einen Relativisten halten, der die Doktrin verwässere und das konventionelle Familienmodell untergrabe. In den USA nennt man sie "rad trads", kurz für radikale Traditionalisten. Auch in den rechtspopulistischen Parteien Europas ist Burke mittlerweile ein Star.

Franziskus hat seine Stellung zusehends gestutzt: Burke ist nur noch Patron des Malteserordens, eine eher zeremonielle Funktion. Da bleibt mehr Zeit fürs Intrigieren und Opponieren.

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