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Hannover:Opfer von Säureangriff soll 250 000 Euro Schmerzensgeld erhalten

  • Im Februar 2016 wurde Vanessa Münstermann in Hannover von ihrem Exfreund mit Säure attackiert; ihr Gesicht wurde dabei verätzt.
  • Der Mann ist dafür zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.
  • In einem weiteren Prozess forderte Münstermann 250 000 Euro Schmerzensgeld; dieses hat sie nun zugesprochen bekommen.

Es sei "eine extreme Tat mit extremen Folgen" gewesen, hatte die Richterin zu Beginn gesagt - und damit ein Stück weit die Richtung vorgegeben, in die der Prozess am Landgericht Hannover laufen würde. Jetzt hat Klägerin Vanessa Münstermann die von ihr geforderten zusätzlichen 250 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen bekommen.

Die 29-Jährige war im Februar 2016 schwer verletzt worden, als ihr Exfreund ihr Säure ins Gesicht schüttete. Der Mann ist dafür bereits zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt worden. In dem nun abgeschlossenen Zivilprozess in Hannover ging es um die Frage, ob das Schmerzensgeld in Höhe von 50 000 Euro, das die Eltern des Täters an Münstermann gezahlt haben, angemessen war.

"Es geht mir ums Geld", hatte Münstermann vor Beginn des Zivilprozesses gesagt. Sie könne nicht zurück in ihren Beruf als Kosmetikerin. Mit einem Auge sehe sie dafür nicht gut genug. Die Eltern des Angeklagten hatten ihr zwar insgesamt 100 000 Euro in Aussicht gestellt - allerdings mit der Bedingung, dass sie nicht mehr öffentlich über den Täter spricht. "So ein Schweigegeld kann ich nicht akzeptieren", hatte Münstermann erwidert.

Münstermann war im Februar 2016 mit ihrem Hund in Hannover-Leinhausen spazieren gegangen. Ihr damals 32-jähriger Exfreund, von dem sie sich kurz zuvor getrennt hatte, lauerte ihr auf und schüttete ihr Schwefelsäure ins Gesicht. Er habe damit ihren schlechten Charakter auf ihr Äußeres übertragen wollen, sagte er später vor Gericht. "Ich dachte, ich muss sie irgendwie hässlich machen."

Nach dem Angriff musste Münstermann in ein künstliches Koma versetzt werden, ihr Gesicht ist seitdem von den schweren Verätzungen gezeichnet. "Dann wachte ich auf, ohne Haare, ohne Gesicht, auf einem Auge blind", beschrieb sie vor Gericht den Moment nach dem Erwachen. Die Anklage hatte die Attacke als Mordversuch gewertet. Der Mann habe den Tod seines Opfers in Kauf genommen. Er widersprach und sagte, er habe die verheerende Wirkung der Säure unterschätzt. Ob Münstermann das Geld erhalten wird, ist allerdings fraglich. Ihr Exfreund ist nach Angaben seines Anwalts pleite.

© SZ.de/dpa/eca/feko/rus
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Zivilprozess um Schmerzensgeld nach Säure-Attacke

Hannover
:Der Wert ihrer Wunden

Die 29-jährige Vanessa Münstermann wurde von ihrem Ex-Freund mit Säure übergossen und fordert Schmerzensgeld. Der Anwalt des Angeklagten will von seelischen Schäden nichts wissen.

Von Thomas Hahn

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