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Vandalismus in der Hauptstadt:"Wo gehobelt wird, fallen Späne"

Doch die Autobrandstiftungen folgen schon längst der Logik des Terrors, denn sie sollen die Wohlhabenden ja ausdrücklich aus den Gebieten vergraulen, in denen sie nach Meinung linksautonomer Kiezwächter nichts zu suchen haben. Dass es dabei ungewollte Zusatzopfer geben kann, wird ausdrücklich in Kauf genommen: "Wo gehobelt wird, fallen Späne", erklärte bereits 2009 ein anonymer Unterstützer der Szene in der taz.

Dass jetzt das Einsatzgebiet der Auto-Anzünder potentiell aufs ganze Stadtgebiet ausgedehnt wird, zeigt eine Dynamik, die sich gegen das "System" insgesamt richtet. Die Botschaft kann nur lauten: Kein Reicher soll sich hier mehr sicher fühlen. Und "reich" ist dann schon der Handwerker, für den der Mercedes zu den Grundlagen seiner Arbeitsfähigkeit zählt.

Wer nicht den passenden Stallgeruch vermittelt, wird angepöbelt

Das hasserfüllte Klima, das sich darin ausdrückt, mag es nicht allein in Berlin geben - auch Hamburg kennt die Pest brennender Autos -, nirgends aber durchdringt es das Stadtleben in so reichen Abstufungen wie hier. In den Straßen ums Schlesische Tor hängen seit Monaten ausländerfeindliche Aufkleber, die sich gegen Touristen richten, denn die verwandelten abgehängte Problemkieze in Wohlstandszonen und verdrängten billigen Wohnraum. Selbst eingesessene Berliner, deren Outfit nicht den passenden Stallgeruch vermittelt, müssen sich auf der Straße anpöbeln lassen, sie sollten bleiben, wo sie herkämen.

Und hier kommen doch wieder die Grünen ins Spiel. Deren Kreuzberger Mandatsträger Dirk Behrendt hat jetzt zum wiederholten Mal die Begrenzung der Zahl von Hotelbetten im Sinne des alternativen Milieuschutzes verlangt - auf welcher gesetzlichen Grundlage, bleibt undeutlich. Im Wahlprogramm der Grünen für Friedrichshain-Kreuzberg wird gefordert, Nachmodernisierungen mit Parkettböden und vollverkachelten Bädern zu unterbinden, damit die Mieten nicht steigen; da solche Sanierungen nicht meldepflichtig sind, seien "die BewohnerInnen aufgerufen, dem Bezirk entsprechende Vorhaben zu melden".

Natürlich sind verbürgerlichte Alternative gegen brennende Autos, aber ein paar Blockwartdienste zum Wohl der Volksgemeinschaft im Kiez dürfen schon sein. Die in den Nachwendejahren fast beispiellose Freiheitlichkeit Berlins droht zwischen linksterroristischen Spießern und verschreckten Normalbürgern zerrieben zu werden.

© SZ vom 18.08.2011/jobr
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