Gottesdienst im Wohnzimmer "Wir als Kirche geben dem Valentinstag wieder einen Sinn"

Der Valentinstag ist für viele Paare ein bedeutsamer Tag

(Foto: Hush Naidoo/Unsplash)

Der Bayreuther Pfarrer Hannes Schott hatte eine Idee, die eigentlich uralt ist - aber mit neuem Namen für Furore sorgt: Er besucht die Menschen zu Hause.

Interview von Max Sprick

"Wenn der Prophet nicht zum Berg geht, dann geht eben der Berg zum Propheten", sagt Hannes Schott, Pfarrer der evangelischen Lutherkirche Bayreuth. Er, der Berg also, hat sich in der Adventszeit schon einige Male zu Propheten nach Hause begeben. In mehreren Bayreuther Wohnzimmern hielt Schott Predigten ab. Weil das so gut ankam, hat er sich jetzt wieder Wege vorgenommen: Zum Valentinstag besucht er zwei Paare, denen er im Wohnzimmer seinen Segen erteilt.

SZ: Herr Schott, reden wir über den Valentinstag.

Hannes Schott: Na gut, auch wenn ich eigentlich nicht so der Fan vom Konzept Valentinstag bin.

Trotzdem nutzen Sie ihn, um Paare zu Hause zu besuchen und Gottesdienste in ihren Wohnzimmern abzuhalten?

Wissen Sie, als Pfarrer muss man ja heutzutage alles aufnehmen, was Medien und Gesellschaft so anbieten. Ich akzeptiere, dass es viele Menschen gibt, denen dieser Tag etwas bedeutet. Ich könnte ihn natürlich ablehnen, könnte über den Valentinstag schimpfen und predigen, dass er nur eine kommerzielle Erfindung ist - aber ich finde es besser zu sagen: Wir als Kirche geben dem Valentinstag wieder einen Sinn.

Obwohl die Kirche das Fest des heiligen Valentin vor Ewigkeiten aus ihrem Kalender gestrichen hat?

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Die katholische! Bei uns Evangelen stand dieses Fest sowieso nie im Kalender, soweit ich weiß. Der heilige Valentin an sich ist mir jetzt nicht sooo wichtig. Es geht um die Menschen und um ihre Liebe zueinander. Dafür bin ich als Pfarrer Profi. Ich biete ihnen an, ihnen den Segen Gottes zuzusprechen. Nicht nur in der Kirche, sondern auch bei ihnen zu Hause - da, wo sie leben und ihre Liebe leben.

Und das kommt an.

Das sorgt für Furore, nicht nur bei uns in Bayreuth, ja. Als ich das Konzept meiner Wohnzimmergottesdienste für die Adventszeit entwickelt habe, haben etliche Medien darüber berichtet, überall wurde ich darauf angesprochen, 50 Haushalte aus der Umgebung haben sich für meinen Besuch beworben.

Können Sie sich das erklären?

Ich bin selbst darüber überrascht. Denn eigentlich ist das Konzept ja uralt: Die frühen Christen haben ihre Gottesdienste ja auch eher versteckt und im Privaten, eben zu Hause, abgehalten. Was ich anbiete ist total einfach, das bietet jede Pfarrerin und jeder Pfarrer an. Normalerweise heißt es Hausabendmahl, ich habe es halt in Anlehnung an Wohnzimmerkonzerte von befreundeten Musikern "Wohnzimmergottesdienst" genannt.

Klassischer Fall von Re-Branding einer altbewährten Marke also?

Ganz klassisch, back to the roots! Da sieht man mal wieder, dass man manchmal einfach nur eine uralte Idee mit einem sexy Namen neu verkaufen muss - und schon sind alle begeistert. Hat aber auch vielleicht etwas mit der Art zu tun, wie ich die Gottesdienste im Wohnzimmer angepriesen habe.

Das müssen Sie erklären.

Geht es um Menschen und ihre Liebe zueinander, ist er Profi: Hannes Schott bei einer Trauung.

(Foto: Ida Pöhlmann)

Ich habe das Ganze ins Gewand des 21. Jahrhunderts gesteckt und habe es über Facebook verlost.

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Interview am Morgen

Diese Interview-Reihe widmet sich aktuellen Themen und erscheint von Montag bis Freitag spätestens um 7.30 Uhr auf SZ.de. Alle Interviews hier.

Stellen Sie sich doch nur mal vor, ich würde willkürlich bei Leuten klingeln und sagen: "Hallo, ich bin der Pfarrer und ich komme jetzt zum Hausabendmahl zu Ihnen ins Wohnzimmer." Da würden die Leute doch gleich die Tür wieder schließen. Aber kaum verkauf ich's anders, sind sie begeistert.

Wie äußert sich das?

Bei den Gottesdiensten in der Adventszeit haben die Leute zum Teil richtige Events daraus gemacht. Sie haben ihre Freunde, Verwandten und Nachbarn eingeladen, haben Musik gemacht und Kuchen gebacken. Einer hat sogar alle Stühle aus seinem Haus zusammengekramt und im Wohnzimmer aufgebaut, wie in der Kapelle. Aber dann war's genau wie in der Kirche: Keiner wollte in die erste Reihe.

Wie lassen sich ansonsten die Gottesdienste in Kirche und Wohnzimmer vergleichen?

Von den Elementen Musik, Gebet, Ansprache und Kollekte für einen guten Zweck schon. In anderen Bereichen weniger: Zum einen funktioniert im Wohnzimmer meine liturgische Sprache nicht, da wird lockerer geredet. Und zum anderen lasse ich mich komplett auf meine Gastgeber ein. Sie dürfen bestimmen, ob ich im Talar oder in zivil komme. Wenn bei ihnen die Schuhe ausgezogen werden, halte ich meine Predigt in Socken. Der Reiz des Ganzen ist sein spontaner Charakter, ich lasse mich gerne überraschen, was da so auf mich zukommt. Aber es wird Sie wenig überraschen, wenn ich sage: Am Valentinstag geht es natürlich vor allem um die Liebe.

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